Der Mond im Bild der Apollo-Missionen


Das Objekt der Begierde - der Mond. Mit einer Vermessungskamera hielt Apollo-16-Astronaut Kenneth Mattingly im April 1972 den Erdtrabanten auf dem Rückflug von der Mission fest. Das Raumschiff war bereits 1600 km entfernt. Das Foto zeigt einen Teil der von der Erde nicht sichtbaren Rückseite des Mondes, links oben das Mare Crisium.

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Die Fotos auf dieser Seite wurden dem Band "Full Moon" von Michael Light entnommen:

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27-04-2003/ updated 19-07-2008

Der Mond – geheimnisvoll und nah zugleich

Der Fotoband „Full Moon“ von Michael Light, ein Klassiker in USA, erinnert an die Apollo-Missionen und ihre Astronauten

 

Von Christel Heybrock 

 

Seit den sechziger/siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die Welt nicht besser geworden. Was damals sehr kritisch beurteilt wurde – der Wettlauf der beiden Supermächte USA und Sowjetunion in der bemannten Raumfahrt aus blanken politischen Gründen, das wirkt aus der historischen Ferne schon fast verklärt. Waren das Zeiten, als einfach nur jeder der Erste sein wollte! Siebzehn Missionen umfasste das Apollo-Programm der NASA zwischen 1967 und 1972. Nach dem Unglück von Apollo 1 (bei dem die dreiköpfige Mannschaft in der Raumkapsel verbrannte) dauerte es zwar mehr als anderthalb Jahre, bis mit Apollo 7 wenigstens bemannte Erdumkreisungen wieder gewagt wurden, und von den 17 Missionen waren auch nur sechs mit kompletten Mondlandungen verbunden. Aber seitdem ist kein Mensch je wieder auf einem fremden Himmelskörper gewesen und die Erinnerung an die Großtaten von damals weckt fast schon nostalgische Sehnsucht.

 

Außerdem: der Mond ist ein besonderer Nachbar, selbst gestandene Wissenschaftler haben eine nicht immer rationale Beziehung zu ihm. Seine wechselnde Erscheinung am Himmel, seine gravitativen Auswirkungen auf die Erde, deren Bahn durch den Mond stabilisiert wird, indes Schlafwandler und Ozeane durch ihn eher ins Schwanken kommen – dem Mond scheint auch heute noch eine mythische Qualität eigen, auch wenn NASA und ESA für das zweite oder dritte Jahrzehnt des neuen Jahrtausends weitere Missionen und sogar eine bemannte Dauerstation auf dem Mond planen. 2002 kam ein Fotoband gerade recht, um die Menschheitsleistung der Mondlandungen noch einmal wachzurufen und die fremde Welt aus unserer nächsten kosmischen Umgebung eindrucksvoller als je zuvor ins heimische Wohnzimmer zu bringen. Der Band „Full Moon. Aufbruch zum Mond“ von Michael Light erschien als Übernahme des New Yorker Alfred A. Knopf Verlags bei Frederking & Thaler sogar als handliche Sonderausgabe, eine Verführung, der man willig erliegen konnte.

 

Was da so griffig in die Hand passte und so glatt ins Herz drang, war nämlich nur bedingt ein Dokument der Wirklichkeit, sondern eher ein raffiniertes Kunstprodukt. Die Tatsache, dass dies nicht verheimlicht wurde (es war halt nicht zu verheimlichen), machte es dann auch wieder seriös, so dass man sich ganz ohne Skepsis fallen lassen konnte. Fotograf Michael Light war vier Jahre alt, als Apollo gestartet wurde, und neun, als schon alles zu Ende war. Natürlich wollte er eigentlich Astronaut  werden, aber als Landschaftsfotograf hat er inzwischen auch einen gewissen Ruf erlangt. Den Traum von der Fotografie extraterrestrischer Landschaften, den hat er sich erfüllt mit dem „Full Moon“-Buch, das in den USA zum Klassiker wurde, und das ging so:

 

Die Fotos der automatischen Kameras und der Astronauten selber von den Starts, den Erd- und Mondumrundungen und dem Aufenthalt auf dem Mond wurden von der NASA sofort nach dem jeweiligen Ende einer Mission kopiert, noch bevor die empfindlichen Originalfilme zum Archivieren in den Kühlraum kamen. Alle später bekannt gewordenen Aufnahmen sind Abzüge dieser Erstkopien, und genau zu denen bekam Michael Light Zugang. Statt nun wieder Kopien anzufertigen, was keinen Sinn gemacht hätte, wurden die Erstkopien von ihm digitalisiert und „bearbeitet“, und zwar ästhetisch aufgewertet, brillanter gemacht in Farben und Kontrasten, es wurden störende Raster und andere Details entfernt, die das Auge hätten beleidigen können, und manch eine Aufnahme verbreitet nun ein fast magisches, intensives Leuchten. Man muss es Michael Light aber abnehmen, dass er sehr bewusst und behutsam dabei vorging und sogar die Bildtexte noch einmal kritisch überprüfte. Was er über die veränderte Wahrnehmung von Farben auf dem atmosphärelosen Mond oder über das unterschiedlich farbstichige Material der Originalfotos schreibt, es sind nur Andeutungen, aber sie deuten immerhin einen sorgfältigen Umgang mit Bildern an, die Menschheitsgeschichte gemacht haben. Wie von Bild zu Bild die Realität im Einzelnen manipuliert wurde – es ließe sich nur von Insidern belegen, denen man auch wieder blind vertrauen müsste, und dass auf jedem Foto, also auch auf denen der Astronauten, Wirklichkeit bereits stilisiert wird, es ist eine alte Erkenntnis.

 

Michael Light ging über die digitale Bearbeitung der Erstkopien freilich noch hinaus und montierte aus etlichen Apollo-Missionen ein Buch wie aus einem Guss, das man mit heißem Herzen durchblättert, so als hätte es nur eine einzige, und zwar „die“ große Mondlande-Mission gegeben. Das Buch startet mit den Feuerwolken der Saturnraketen, in drei Abteilungen zeigt es den Aufbruch und die Reise, die Landung und den Aufenthalt auf dem Mond sowie die Rückkehr zur Erde mit der Landung der Kapsel im Pazifik. Das geschickt montierte Material aus den verschiedenen Missionen wird so zu dem einen, alle Wünsche und alles Drängen verschmelzenden Menschheitstraum von der Inbesitznahme fremder Welten. Das Buch suggeriert, der Traum, den die meisten von uns im Unterbewussten weiter hegen, er sei zutiefst wahr, sei wirklich gewesen und könne es von neuem werden. Das Buch ist geradezu der Beweis, dass dieser Traum wahr sein kann und dass es nur einer vergleichsweise geringen Anstrengung, eines gewissen Wagemuts bedürfe, um ihn erneut lebendig zu machen. Es nährt einen Mythos, den Mythos von der unbegreiflichen Schönheit und Erhabenheit des Weltalls, und es stachelt die Sehnsucht an, dass man dorthin möchte, dorthin muss – weil man ein Mensch ist.

 

Was ist wahr an diesem Buch? Es ist nicht definierbar. Aber wie jedem Kunstwerk liegt auch ihm eine Wahrheit zugrunde: die, die man in sich selber verbirgt. Wirklich ein erstaunliches Buch, eines, das vielleicht weniger auf den Mond als ins eigene Herz zielt, du liebe Güte. Auch am Vorabend neuer Missionen bleibt es, wozu es wurde - ein Klassiker, der mit der Realität umso weniger noch zu tun hat, je realistischer die Träume bald wieder werden.

 

Info:

Michael Light, „Full Moon – Aufbruch zum Mond“, aus dem Englischen von Anita Ehlers, Verlag Frederking & Thaler, München 2002, 244 Seiten, 57 s/w- und 72 Farbfotos, Sonderausgabe im Format 20,8 x 20,8 cm, ISBN 3-89405-605-3, Preis 19,90 Euro, www.frederking-thaler.de. Das Buch ist inzwischen vergriffen.


Apollo-12-Astronaut Alan Bean im November 1969 mit einem Mondstaub-Behälter, den er in einem Krater des Oceanus Procellarum gefüllt hat. Auf seinem goldbeschichteten Visier spiegelt sich Kollege Charles Conrad, der ihn fotografiert.


März 1969: Die Raumanzüge für die Mond"spaziergänge" werden 200 km über der Erde bei einer EVA (Extra Vehicle Activity) getestet. Aus der Luke der Kommandoeinheit Gumdrop steigt soeben David Scott, fotografiert von Russell Schweickart, der nach ihm heraus klettert.

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