Helmut Gernsheim

Die Sammlungen in Austin/Texas und Mannheim

 


Das Sammlerehepaar Helmut und Alison Gernsheim 1963 bei der Hängung ihrer Ausstellung in Detroit (Wayne State University). Das Foto stammt von einem unbekannten Fotografen.

 

URL dieser Website: http://www.kunstundkosmos.de/Fotografie/Gernsheim-2012.html

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Übersicht Fotografie

 

Mehr von Helmut Gernsheim:

Forum Internationale Photographie (FIP)

Ausstellung "Focus Mensch" im FIP 2003


Ausstellungsplakat und Katalog-Cover der Gernsheim-Ausstellung 2012/2013 in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (FIP). Das Titelfoto gibt eine Modeaufnahme von Walde Huth wieder. Das Foto war auch Teil der Gernsheim-Schau "Focus Mensch" 2003 im FIP.
Foto: Copyright Curt-Engelhorn-Stiftung/ Copyright Walde Huth/Archiv Horst Gläser (
www.waldehuth.de)

 

Besessener Sammler mit doppelter Sammlung

Teile der Foto-Kollektionen Helmut Gernsheims aus Austin und Mannheim gemeinsam ausgestellt

 

Von Christel Heybrock

 

Manchmal passen Jubiläumstermine wie von selbst zusammen. 2003 stellte sich das neu gegründete Forum Internationale Photographie (FIP) der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen erstmals der Öffentlichkeit vor. FIP-Leiter Claude W. Sui präsentierte auf einer Pressekonferenz gleich drei große Sammlungskomplexe:

  1. einen Bestand historischer Fotografien aus dem eigenen Haus
  2. den Nachlass des Fotografen Robert Häusser (als Stiftung zu dessen Lebzeiten)
  3. sowie die Sammlung des Fotohistorikers Helmut Gernsheim. Der war 1913 in München geboren worden und 1995 in Lugano gestorben. Das FIP richtete ihm 2003/2004 zum 90. Geburtstag mit "Focus Mensch" eine umfangreiche Ausstellung seiner Sammlung ein.

Knapp 100 Jahre nach Gernsheims Geburt hat das FIP erneut die Chance ergriffen, den Foto-Pionier zu würdigen. Dieses Mal wurden die beiden in Austin/Texas und in Mannheim stationierten Gernsheim-Sammlungsbereiche in einer Auswahl von 250 Exponaten zusammengeführt, womit die Ausstellung zwar um fast die Hälfte kleiner wurde als zehn Jahre zuvor, wobei aber der Knüller in der Präsentation der aller ersten Fotografie überhaupt besteht. Die wurde nämlich erst 1952 von Gernsheim entdeckt und stammt nicht von Jacques Mandé Daguerre (1787-1851), wie lange fälschlich angenommen, sondern von Nicéphore Niépce (1765-1833).

 

Gernsheim und seine unermüdlich recherchierende Frau Alison hatten von ihrem Wohnort London aus lange nach dieser Initialzündung der modernen Fotografie gesucht und die Sache eigentlich schon aufgegeben, bis sie endlich den letzten Besitzer ausmachen konnten. Der teilte ihnen jedoch mit, dass er nicht mehr wisse, wo sich die kostbare Zinnplatte aus dem Jahr 1826 befände, wahrscheinlich sei sie verloren gegangen. Gott sei Dank scheint der gute Mann (Henry Baden Pritchard II.) bald darauf verschieden zu sein, jedenfalls meldete sich seine Witwe, dass sie die Rarität in einem Schrankkoffer gefunden habe: Zu sehen sei allerdings praktisch nichts mehr auf dem Bild. Diesen Eindruck hat der heutige Betrachter zunächst durchaus auch, aber Gernsheim ließ sich davon nicht abschrecken und entwickelte mit dem Forschungslabor der Firma Kodak eine Linse, um einen Silbergelatine-Abzug von der Zinnplatte zu ermöglichen, die auf den ersten Blick nur wie ein fleckiger Spiegel aussieht.

 


Nicéphore Niépce: "Blick aus dem Fenster in Le Gras", entstanden 1826. Bei der Zinnplatte handelt es sich um die weltweit erste Fotografie, entdeckt von Helmut Gernsheim 1952.
Foto: Harry Ransom Center, The University of Texas at Austin

 

Wie eine sakrale Reliquie wird der „Blick aus dem Fenster in Le Gras“, den Niépce seinerzeit acht bis zehn Stunden lang belichtete, nun in der Mannheimer Ausstellung präsentiert, unter einem Samtvorhang und im Klimakasten auf einem Untergestell mit Messinstrumenten und Alarmanlage. Die Platte war 1963 zusammen mit Gernsheims historischer Fotosammlung im Harry Ransom Center der University of Texas in Austin angekommen, nachdem sie 1961 in München auf einer der zahlreichen, von Gernsheim selbst veranstalteten Ausstellungen noch gezeigt worden war. Seither ist die Heliographie (ein Direktpositiv) von Niépce nicht mehr in Europa zu sehen gewesen. Womöglich wäre seine Pionierleistung nicht für so lange Zeit in Vergessenheit geraten, wenn Niépce, experimentierfreudiger Lithograf und Radierer, nicht bereits 1833 im Alter von 68 Jahren an einem Schlaganfall gestorben wäre. Vier Jahre zuvor hatte er nämlich einen Partnervertrag mit dem eine ganze Generation jüngeren Daguerre zur Weiterentwicklung fotografischer Verfahren abgeschlossen, und Daguerre konnte sich nach dem Tod seines Kompagnons hervorragend vermarkten, bis man schließlich ihn für den Erfinder hielt. Auch die Gernsheim-Ausstellung 1961 in München scheint an diesem Irrtum nicht viel geändert zu haben.

 


Um 1838 nahm Daguerre diese Ansicht der Ile de la Cité in Paris auf. Sein Standort am Seine-Ufer führte zu einer effektvollen Panorama-Ansicht, wie sie zu Daguerres Spezialitäten als Theater- und Dioramenmaler gehörte.
Foto: Harry Ransom Center, University of Texas at Austin

 

Was man allerdings auch in der aktuellen Ausstellung konstatieren muss, ist Daguerres sicheres Gespür für formale Gestaltung. Daguerre war eigentlich Theatermaler mit einer Spezialität für Dioramen, während Niépce eher an dem chemischen Prozess der dauerhaften Fixierung eines Licht-Bildes interessiert gewesen war. Die Daguerreotypie „Notre Dame und die Ile de la Cité“ von 1838 zeigt jedenfalls ein schönes Gefühl für die „malerische“ Wirkung der Seine-Insel vom Ufer aus und einen natürlichen Instinkt für den effektivsten Standort. Übrigens kamen sowohl die Zinnplatte von Niépce als auch die Paris-Ansicht von Daguerre als Leihgaben aus Austin.

 

Hier muss noch einmal erläutert werden, wieso Gernsheim zwei komplette Sammlungen zur Fotografiegeschichte hinterlassen hat. Die erste mit einem umfassenden historischen Anspruch begannen er und seine Frau 1945 in London, angeregt von Beaumont Newhall (1908-1993), einem amerikanischen Kunst- und Fotohistoriker, der seinerzeit Kurator für Fotografie am Museum of Modern Art in New York war und 1946 eine Ausstellung mit Edward Weston organisierte. Newhall war 1944 als Captain der US-Air Force in Italien und lernte die (erst ein Jahr später ordentlich verheirateten) Gernsheims bei einem Besuch in London kennen. Aus der Begegnung entstand nicht nur eine rund 50 Jahre währende Freundschaft und aufschlussreiche Korrespondenz aus mehr als 350 Briefen, sondern für die Gernsheims auch der Impuls, der fortan ihr Leben dominierte: Sammeln, Sammeln und Forschen! Als ihnen die Sammlung Ende der Fünfziger Jahre rein platzmäßig über den Kopf wuchs, versuchten sie ihre Kostbarkeiten einem Museum anzuvertrauen, wobei sie allerdings abenteuerlich anspruchsvolle konservatorische Bedingungen stellten.

 

Wie Roy Flukinger, leitender wissenschaftlicher Kurator des Harry Ransom Centers in Austin, im Katalog beschreibt, unternahmen die Gernsheims mehr als 30 vergebliche Versuche in Europa, wo die auf klassische Kunstgattungen fixierten Museen an Fotografie nicht interessiert waren. Das Sammlerpaar scheiterte schließlich auch noch an einem windigen Spekulanten. Die rettende Lösung kam von Harry Ransom, Kanzler der University of Texas, der den gesamten Komplex aus 35.000 Originalfotos, mehr als 3000 Büchern und Alben sowie ganzen Konvoluten von Manuskripten, Korrespondenzen und Forschungsunterlagen 1963 für die Sammlung der Universität in Austin erwarb. Als 1965 die Übergabe perfekt war und Ransom sogar für ein klimatisiertes Archiv auf dem Campus, für Fachpersonal und wissenschaftliche Zugänglichkeit gesorgt hatte, konnten sich die Gernsheims beruhigt nach Lugano in den Ruhestand zurückziehen.

 

Hier jedoch scheint ihnen die Decke auf den Kopf gefallen zu sein, jedenfalls hielten sie es nicht aus und fingen wieder an – zu sammeln! Dieses Mal führten sie die Geschichte der Fotografie in die Gegenwart fort, nachdem sie die Vergangenheit bereits bis in die kleinsten Verästelungen thematisiert hatten. Alison starb 1969 unerwartet an einer Embolie, aber bis zu Gernsheims Tod 1995 kamen immerhin wieder rund 5000 Fotografien sowie Bücher, Manuskripte und wissenschaftliche Unterlagen zusammen – und dieser moderne Teil der Gernsheim-Sammlung ging, siehe oben, 2002 nach Mannheim. Seither gibt es sehr lebendige Beziehungen zwischen Mannheim und Austin, bereits in der Mannheimer Gernsheim-Schau von 2003 kamen einige Leihgaben aus Texas, und in Austin fand 2010/2011 eine mit Mannheimer Leihgaben bereicherte Ausstellung statt. Aus dieser Schau sandte Austin nun als Dankeschön mehr als 100 eigene Exponate nach Mannheim, darunter die beiden erwähnten Stücke von Niépce und Daguerre.

 

Und natürlich auch eine Fülle hoch empfindlicher Originale des 19. bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts, so dass zusammen mit den Stücken, die sich bis in die neunziger Jahre fortsetzen, praktisch ein Überblick über die Geschichte der Fotografie überhaupt zustande kommt. Dieser Überblick ist eigentlich auch das Thema der Schau – was das Ganze leider etwas beliebig und ermüdend macht. Klugerweise hatte Claude W. Sui die Gernsheim-Ausstellung von 2003 unter ein Thema gestellt, da ging es um „Menschenbilder“. Auch dieses Mal wurden die Exponate nicht chronologisch, sondern in Themenkomplexe geordnet. Der Besucher kann folgende sieben Kapitel abschreiten: „Landschaft und urbaner Raum“ (dazu gehören Daguerre und Niépce), „Reise- und Ethnografie“ (ein Kapitel, mit dem das FIP selbst reich bestückt ist, das in der Schau aber vornehmlich mit Bildern aus Austin ausgestattet wurde), „Stillleben“, „Bildjournalismus“, die schwedische „TIO-Gruppe“, deren Mitglieder Gernsheim persönlich kennen lernte, „Menschenbildnisse“ sowie „Experimentelle Fotografie“, ein Bereich, in dem Man Rays, Christian Schads und Laszlo Moholy-Nagys künstlerische Experimente mit direkt belichtetem Fotopapier kombiniert wurden mit so disparaten Dingen wie surrealistischen Bildinszenierungen und wissenschaftlicher Mikrofotografie.

 


Von Gernsheim selbst stammt diese Aufnahme der Wendeltreppe im Uhrenturm von St.Paul's Cathedral in London (1943). Gernsheim, aus Deutschland geflüchteter Jude, arbeitete damals für das Warburg Institut und sollte wichtige Bauwerke dokumentieren, die möglicherweise von den Deutschen zerstört würden.
Foto: FIP, Reiss-Engelhorn-Museen

 

Natürlich sind in der Schau die großen, unser globales Bildbewusstsein prägenden Aufnahmen der Starfotografen zu sehen. Robert Capas „Tod eines Milizionärs“ (1936) aus dem Spanischen Bürgerkrieg (Leihgabe aus Austin) ist ebenso vertreten wie Henri Cartier-Bressons „Sonntag am Ufer der Marne“ (1938) mit einer wohl genährten, von hinten aufgenommenen  Picknickrunde. Fünfzig Jahre später schoss der Amerikaner Bruce Gilden mit der „Coney Island“-Serie (1988) ziemlich verwandte Szenen, in denen sich Jung und Alt, Fett und Mager unbekümmert um die zweifelhafte Ästhetik ihrer entblößten Körper am Strande aalen (beide Aufnahmen aus dem FIP). Berenice Abbott (1898-1991), einstige Mitarbeiterin von Man Ray und später die große Chronistin New Yorks, ist ebenso vertreten (mit einer Aufnahme aus dem Mannheimer Bestand!) wie Ansel Adams und Paul Strand (aus Austin). Sogar von Helmut Gernsheim selbst, der in den vierziger Jahren in London für das Warburg Institut fotografierte (potentielle Angriffsziele der deutschen Wehrmacht sollten dokumentiert werden, bevor ihnen die Zerstörung drohte), ist eine schöne, formal elegante Aufnahme zu sehen, die „Wendeltreppe im Uhrenturm von St. Paul’s Cathedral“ (1943, ausgerechnet aus dem FIP-Bestand).

 


Alfred Eisenstaedts berühmter Kuss auf dem Times Square. Vielleicht ist ja auch das Bewusstsein von Zärtlichkeiten einem historischen Wandel unterworfen, jedenfalls würde man heute die Szene eher als einen Akt von Vampirismus interpretieren.
Foto: FIP, Reiss-Engelhorn-Museen (Copyright Getty Images/Time & Life Pictures)

 

Ebenfalls aus Mannheim stammt Alfred Eisenstaedts berühmte Kussszene „V-J Day Times Square, New York“ (1945), bei der ein amerikanischer Matrose aus Freude über den Sieg gegen Japan spontan auf der Straße eine Krankenschwester, nun ja, umarmt, sie selbst dürfte es womöglich als versuchte Vergewaltigung empfunden haben. (Als 1950 der Franzose Robert Doisneau ein Liebespaar am Pariser Rathaus fotografierte und damit eine ähnliche Ikone schuf, sah das schon zivilisierter aus, aber Doisneau ist in der Schau nicht vertreten.)

 

Interessant sind mitunter weniger die berühmten Namen als vielmehr andere Fotografen, die man gerne mit mehr als einem einzigen Werk kennen gelernt hätte. Und erstaunlich auch ein mehr als 85 cm breites „Panorama von Jerusalem“ aus der Zeit um 1857 (Leihgabe aus Austin), geschaffen von dem in Konstantinopel ansässigen Münzgraveur James Robertson (1813-1888) und seinem zeitweiligen Mitarbeiter, dem Venezianer Felice Beato (1832-1909), der (ohne Robertson) vor allen Dingen durch Aufnahmen von unschätzbarem dokumentarischen Wert aus Ostasien bekannt wurde. Beatos Bilder aus Korea sind die frühesten bekannten Aufnahmen aus dem Land.

 

Andere Bilder der Ausstellung faszinieren durch ihre formale Gestaltung wie etwa Willi Beutlers (1903-1978) „Straße zum Stilfser Joch, Italien“ (1956, Mannheimer Bestand). Von einem erhöhten Standort gesehen, schlängeln sich die weißen Serpentinen in engen Kurven wie ein schmales Band durch die dunklen Hänge. Beutler war in den fünfziger Jahren selbst unter Laien bekannt durch sein instruktives Buch „Meine Dunkelkammerpraxis“, dessen ungezählte Ausgaben heute noch antiquarisch zu haben sind. Von verwirrender Schönheit eine Aufnahme des amerikanischen Umweltschützers Bruce Barnbaum (*1943) mit einer Steilwandformation des Unteren Antelope Canyons in Arizona (1983, Mannheimer Bestand). Auch Barnbaum hat mit dem Buch „The Art of Photography. An Approach to Personal Expression“ (1994) einen Klassiker praktischer Fotografie in die Welt gesetzt.

 

Zwischen Beaumont Newhall und Helmut Gernsheim gab es einen nie ganz offen ausgetragenen Konflikt in der ästhetischen Beurteilung. Newhall konnte beispielsweise mit der wunderbar klaren, einfachen Sachlichkeit von Albert Renger-Patzsch (1897-1966) und der Subjektiven Fotografie Otto Steinerts (1915-1978) nichts anfangen: er setzte auf den ganz anders gearteten Realismus von Alfred Stieglitz (1864-1946), der tatsächlich in USA eine unschätzbar bedeutende Rolle spielte. Seine Schiffs-Aufnahme „Das Zwischendeck“ (1907, Leihgabe aus Austin) gilt mit der Diagonale seiner Anlegebrücke, dem Blick auf ein oberes und ein unteres Deck und den vielen Personen als Ikone amerikanischer Fotografie. Für europäische Betrachter ungleich aufregender jedoch „Helgoland in schwerer See“ (1912, Mannheimer Bestand) von Franz Schensky (1871-1957), der heute nur noch Helgoland-Fans ein Begriff sein dürfte. Schensky war auf der Hochsee-Insel zur Welt gekommen und ist dort auch begraben. Mit mehr als 1400 Bildplatten hat er ein dokumentarisches Werk von faszinierendem Rang hinterlassen, und das Mannheimer Foto zeigt Helgoland wie eine Festung über weißer Gischt, aufgenommen von einem etwas entfernten Standort mitten im beängstigend unruhigen Meer. Allein was diesen Standort betrifft, ist Schenskys Aufnahme so viel wagemutiger und dynamischer als Stieglitz’ gerade mal fünf Jahre älteres „Zwischendeck“.

 


Direkt vor den Nackedeis eines Pornokinos in Kopenhagen macht der Wikinger von Fritz Henle Werbung für warme Pullover (1987).
Foto: FIP, Reiss-Engelhorn-Museen (Copyright Fritz Henle Estate)

 

Manche, allerdings nur wenige Fotografien sind auch von hintersinnigem Humor. Der „Wikinger vor einem Filmtheater“ des Deutsch-Amerikaners Fritz Henle (1909-1993) wurde 1997 in Kopenhagen aufgenommen (Mannheimer Bestand). Da posiert ein als Wikinger mit gehörntem Helm aufgeputzter Werbemensch auf der Straße und hält ein Schild mit der Aufschrift „Handknitted Sweaters“ empor – hinter ihm ausgerechnet leckere Nackedeis auf der Front eines Softporno-Kinos. Henle arbeitete mit seiner Rollei für fast alle großen amerikanischen Magazine.

 


Robert Lebeck (Copyright): "Flughafen Belgrad, Roter Teppich für die Kreml-Herren", aufgenommen am 26. Mai 1955
Foto: FIP, Reiss-Engelhorn-Museen

 

Aber auch Robert Lebeck (*1929) hat so manche Alltagsszene gegen den Strich gebürstet. Als 1955 am Flughafen Belgrad der rote Teppich für den Staatsbesuch aus dem Kreml ausgerollt war und Soldaten zum Empfang paradierten, kümmerte sich Lebeck ausgerechnet um die Putzfrau, die hinterm Rücken der Militärs den Teppich noch einmal kehrte (Mannheimer Bestand).

 

Alles in allem: wer die Geduld hat, die 250 Exponate nicht einfach abzuschreiten, sondern einzelne Stücke genauer anzusehen, hat nachhaltigen Gewinn von der Schau. Und stellt außerdem fest, dass die Mannheimer Gernsheim-Exponate in keiner Weise hinter den historischen Schätzen aus Texas zurückstehen.

 

Infos:

Reiss-Engelhorn-Museen, Forum Internationale Photographie (FIP), im Museum Zeughaus, Mannheim, C5, vom 9. September 2012 bis 6. Januar 2013 (verlängert bis 24. Februar 2013), täglich außer Montag 11-18 Uhr, geschlossen am 24. und 31. Dezember. Der Katalog im Kehrer Verlag Heidelberg-Berlin (304 Seiten, 244 Abbildungen) ist im Museum mit 29,90 Euro ein Schnäppchen (ISBN 978-3-927774-45-2). Im Buchhandel kostet er 39,90 Euro (ISBN 978-3-86828-330-3).

www.rem-mannheim.de,www.kehrerverlag.de

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