Space Transportation System der NASA

STS-2

 


Die Crew der STS-2-Mission: Joe H. Engle als commander (links) und Pilot Richard H. Truly
Foto: NASA

 

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24-12-2011
Update 15-05-2013

Columbia vom 12. November bis 14. November 1981

 

Die Mission:

Erstmals flog mit dem neuen Shuttle-System eine Nutzlast ins All, eine Plattform mit fünf Erdbeobachtungsinstrumenten: OSTA-1 (= Office of Space and Terrestrial Applications). Dazu gehörten ein bildgebendes Radar (Shuttle Imaging Radar-A), ein multispektrales Infrarot-Radiometer zur Erkundung von Gesteinsarten (Shuttle Multispectral Infrared Radiometer), das Feature Identification and Location Experiment(es sollte anzeigen, wo auf der Erde sich Wasser, Schnee, Vegetation oder unbedecker Boden befand, bevor entsprechende Messgeräte eingeschaltet wurden), ferner ein Messgerät für die vom Shuttle selbst ausgehenden Kohlenmonoxid-Emissionen (Measurement of Air Pollution from Satellites) und schließlich das Ocean Colour Experiment, mit dem die Entwicklung von Algen und die Verschmutzung der Ozeane dokumentiert werden sollte. Zur OSTA-1-Ausrüstung gehörte auch noch das NOSL (Night/Day Optical Survey of Lightning), mit dem Blitze in der Atmosphäre dokumentiert wurden. Wegen der Instrumente musste die Columbia ständig eine Position einnehmen, bei der OSTA-1 zur Erde zeigte. Bei der Mission sollte sich vor allem herausstellen, ob die Columbia erstens problemlos mit einem um 6.500 Kilogramm schwereren Gewicht als bei STS-1 starten und ob sie zweitens als sichere Plattform zur Erdbeobachtung eingesetzt werden konnte.

 

Hinzu kamen Tests mit dem 15 Meter langen Canadarm (Roboter-Arm am Space Shuttle).  Ursprünglich hatte die Crew aus commander Joseph Engle und pilot Richard Truly, die beide erstmals ins All flogen, sich um das absinkende Skylab-Weltraumlabor kümmern sollen, das in einen höheren Orbit gebracht werden musste. Aber die Columbia wurde viel später fertig als geplant, Skylab war längst aus der Umlaufbahn geraten, die NASA hatte den Orbiter aufgegeben und am 11. Juli 1979 abstürzen lassen, anderthalb Jahre bevor STS-2 starten konnte. Auch dieser verspätete Start musste dann mehrmals verschoben werden (vom 9. Oktober auf den 4. und dann auf den 12. November 1981), u.a. weil beim Betanken zehn Liter hoch reaktiver (hypergoler) Treibstoffe austraten und den Hitzeschild beschädigten – 380 Kacheln mussten ausgetauscht werden. (Die Hitzeschildkacheln sollten ohnehin das Problem der Columbia bleiben.) Es ergaben sich aber auch Einschränkungen an Bord. Die schwer wiegendste war der Ausfall einer von drei Brennstoffzellen, die für die Stromversorgung und Wasseraufbereitung unerlässlich waren, so dass die Bodenkontrolle die auf 5 Tage geplante Flugdauer rigoros auf zwei Tage kürzte. Das erstmals auch Probleme mit den O-Ringen (o-fömigen Dichtungsringen) auftraten, stellte sich erst nach der Rückkehr heraus und wurde noch nicht wirklich ernst genommen: Fünf Jahre später, 1986, sollten die O-Ringe zur Challenger-Katastrophe führen.

 

Dass die Ziele der Mission bei der Rückkehr dennoch zu 90% erreicht waren, ist den beiden taffen Männern zu verdanken, die einfach nicht klein beigeben wollten. So wurden von der Bodenkontrolle die Tests mit dem Canadarm (= Remote Manipulator System = RMS) abgesagt, aber Engle und Truly hantierten trotzdem höchst erfolgreich mit dem System, das noch keine Lasten zu schwenken hatte, und probierten alle seine Modi aus von vollautomatisch bis voll manuell: Sie hielten einfach die planmäßigen Schlafzeiten nicht ein – es waren die einzigen Stunden, in denen  der Kontakt zur Bodenkontrolle inaktiv war. Commander Engle setzte dem trotz aller Behinderungen rundum erfolgreichen Unternehmen noch ein Glanzlicht auf, indem er die gesamte Wiedereintrittsphase, die immer ein höchst kritisches, potentiell lebensgefährliches Manöver ist, einfach manuell steuerte, von Mach 24 (= Mach 1 entspricht der Schallgeschwindigkeit) bis zum Aufsetzen auf der Landebahn – nach ihm hat das kein Shuttle-Commander mehr riskiert., und eigentlich sollte ja auch das automatische Landungssystem getestet werden.

 

Die Astronauten:

Joseph Henry Engle (geb. 1932 in Chapman/ Kansas) kam als Testpilot der Air Force 1966 zur NASA und war eine Zeit lang so etwas wie ein Verbindungsmann zwischen der Luftwaffe und der Raumfahrtbehörde. Er galt bereits vor seinem Eintritt in die NASA als Astronaut, weil er mit dem Raketen getriebenen Experimentalflieger X-15 geflogen war - das Ding erreichte über 7000 km/h und in der Höhe bereits die Grenze zum All. Engle wurde zwar 1966 dem Astronautenkorps der NASA eingegliedert, musste aber bis zu seinem ersten Flug mit der STS-2-Mission 16 Jahre als ewiger Ersatzmann warten, bis er endlich selber starten durfte. Enttäuschend  muss es vor allem für ihn gewesen sein, als er eigentlich für den Apollo-17-Mondflug vorgesehen gewesen war (als Pilot der Landefähre) und dann Wissenschaftsastronaut Harrison Schmitt ihm vorgezogen wurde. Doch Engle war kein Kind von Traurigkeit, sondern engagierte sich sofort für das neue Shuttleprogramm, das er mit seinen extremen Flugerfahrungen energisch mit vorantrieb. Nach der STS-2-Mission flog er allerdings nur noch ein einziges Mal (mit STS-51-I im August 1985). Ein Jahr später gehörte er zu den Investigatoren der Challenger-Katastrophe. Er verließ die NASA Ende November 1986, blieb allerdings bis in die 1990er Jahre als Berater des Shuttleprogramms tätig. Heute (Stand 2012) setzt er sich als leidenschaftlicher Flieger noch immer beratend für Sportflüge ein.


Wer dieses Vögelchen fliegen konnte, war eigentlich schon ein Astronaut. Die mit Raketen angetriebene X-15 wurde in nur 3 Exemplaren gebaut und war in gewisser Weise ein Vorläufer der Space Shuttles, jedenfalls trugen die von der X-15 erbrachten Daten zur Entwicklung des Space Shuttles bei. Testpilot Joe Engle flog die X-15 sechzehnmal und erreichte dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 6.256 km/h und eine Höhe von 85,46 km. Nach Definition der US-Air Force überschritt er bei 80 km Höhe die Grenze zum Weltraum - die Definition der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) lässt den Weltraum allerdings erst bei 100 km Höhe beginnen - das schaffte nur Joe Walker, Engles Kollege von der Air Force. Der aber hat sich nie in ein Space Shuttle gesetzt.
Foto: NASA

 

Auch Richard Harrison Truly (geb. 1937 in Fayette/ Mississippi) war zunächst Air-Force-Astronaut, bevor er 1969 zur NASA kam. Bei der Luftwaffe war er mit dem MOL-Programm beschäftigt gewesen (Manned Orbiting Laboratory), einem Spionageprogramm gegen die Sowjetunion, das aber nie zum Einsatz kam und 1969 eingestellt wurde. In seinem Interview im Rahmen des Oral History Projekts berichtet er, dass er eigentlich nie vor hatte, Astronaut zu werden und sich auch für ungeeignet hielt - er stand einfach nur auf einer Liste von ausgebildeten MOL-Kandidaten, die von der NASA übernommen wurden: "Suddenly, I did realize that my name was in that pot." Nach der STS-2-Mission flog Truly noch die STS-8-Mission und verzichtete zugunsten wichtiger Funktionen am Boden auf weitere Aktivitäten als Astronaut (u.a. war er mit der Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge nach der Challenger-Katastrophe 1986 befasst). Wie bedeutend seine Tätigkeit bei der NASA war, beweist die Tatsache, dass er von 1989-1992 sogar NASA-Administrator, also Leiter der Raumfahrtbehörde war. Von 1992-1997 war er Direktor des Georgia Tech Research Instituts und von 1997-2005 Chef des National Renewable Energy Laboratory in Golden/ Colorado. In einem denkwürdigen Memorandum vor dem außenpolitischen Komitee des US-Senats sprach er 2007 in seinem Rang als pensionierter Vizeadmiral den Politikern ins Gewissen, mit welchen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Katastrophen die USA weltweit zu rechnen hätten, wenn es nicht gelänge, den Klimawandel zu stoppen. Wie wir alle wissen - genützt hat es mal wieder nichts.
hey

 

Info:

Die Mission:
NASA: http://www.jsc.nasa.gov/history/shuttle_pk/pk/Flight_002_STS-002_Press_Kit.pdf

Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/STS-2

 

Die Astronauten:

Joseph Henry Engle

- Wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Joe_Engle

- Oral History Project des Johnson Space Centers

http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/EngleJH/EngleJH_Bio.pdf  (Biografie in Daten)

http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/EngleJH/EngleJH_4-22-04.pdf (Interview zu E.s Ausbildung als Air-Force-Pilot, 42 Seiten)

http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/EngleJH/EngleJH_5-5-04.pdf (Interview zu E.s Phase als Testpilot, 24 Seiten)

http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/EngleJH/EngleJH_5-27-04.pdf (Interview zu E.s Wechsel von USAF zu NASA, 39 Seiten)

http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/EngleJH/EngleJH_6-3-04-pdf (Interview zur Mission STS-2, 44 Seiten)

http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/EngleJH/EngleJH_6-24-04.pdf (Interview zur Challenger-Katastrophe 2006, 36 Seiten)

 

Richard Harrison Truly

Wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Truly

Biografie in Daten: http://www11.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/NASA_HQ/Administrators/TrulyRH/TrulyRH_Bio.pdf

Oral History Interview: http://www11.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/NASA_HQ/Administrators/TrulyRH/TrulyRH_6-16-03.pdf (15 Seiten). Das Interview inforniert über Trulys frühe Karriere als Pilot und seinen Einstieg ins NASA-Astronautenprogramm. Es endet bei der ersten Skylab-Mission 1973, bei der Truly als CapCom fungierte.

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