Space Transportation System der NASA
STS-7


Die Crew der Mission STS-7: erstmals flogen fünf Astronauten ins All. Sitzend im Vordergrund die erste Astronautin der NASA, Sally K. Ride, neben ihr Commander Robert L. Crippen, der als einziger bereits Erfahrung mit Shuttle-Flügen hatte (STS-1), und Pilot Frederick H. Hauck. Stehend hinter ihnen die Missions-Spezialisten John M. Fabian (links) und Norman E. Thagard.
Foto: NASA

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04-09-2012

Challenger vom 18. Juni bis 24. Juni 1983

Die Mission:
Hauptziel war die Ausssetzung zweier Kommunikationssatelliten, die in geosynchronen Orbit gebracht werden sollten: Der kanadische Satellit Anik C-2 der Firma Telesat Canada und sein indonesischer Bruder Palapa-B1 waren fast baugleich und stammten aus demselben Herstellungsbetrieb in Kalifornien. Anik C-2 war der mittlere von geplanten drei Satelliten, mit denen für eine ganze Dekade die Leistung an Telekommunikation auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent verdoppelt werden sollte. Anik C-3 war bereits mit der Columbia bei der STS-5-Mission  ins All gebracht worden, und C-2 sollte als Ersatz für C-3 dienen, falls der mal ausfallen würde. Alle drei Anik-Satelliten waren baugleich, zylindrisch und mit 16 Transpondern ausgestattet, die eine Kapazität von 32 TV-Kanälen hatten und in Farbe ausstrahlen konnten. Auch die Bodenstationen wurden durch die Anik-Satelliten entlastet.

Während Anik C-2 bereits neuneinhalb Stunden nach dem Start aus der Ladebucht entlassen wurde, setzte die Crew Palapa-B1 am zweiten Flugtag bei der 19. Erdumkreisung aus. Es handelte sich um den zweiten Satelliten der indonesischen Telekommunikationsgesellschaft PERUMTEL. Palapa-B1, doppelt so groß und mit viermal so hoher Leistung ausgestattet wie die Palapa-A-Serie, sollte acht Jahre lang akustische und visuelle Daten übertragen und die 130 Millionen Einwohner auf den verstreuten indonesischen Inseln unter anderem mit Fernsehen und Telefonie versorgen. Für beide Satelliten war der Aussetzungsvorgang fast identisch und verlief im Prinzip wie bei STS-5: In der letzten Phase wurde das Shuttle in eine Position gebracht, bei der die offene Ladebucht in die Richtung zeigte, in die der auf dem Satelliten angebrachte PAM-Motor (Payload Assist Module) gezündet werden sollte. Eine Eisenklammer wurde weggesprengt und eine Springfeder-Anlage gab der Nutzlast einen kräftigen Schubs, bei der sie aus der Ladebucht heraus hüpfte und auf 80 cm/sec beschleunigt wurde. Damit war zwar die Aufgabe der Crew fast erledigt, aber der ausgesetzte Satellit noch lange nicht da, wo er hin sollte. Das Payload Assist Module auf dem ausgesetzten Satelliten feuerte 45 Minuten nach der Entlassung aus der Ladebucht, um den Satelliten in einen exzentrischen (ovalen) Orbit zu bringen, und der wurde erst durch weiteres Feuern schließlich in eine kreisförmige geosynchrone Umlaufbahn um die Erde verwandelt. Das Shuttle allerdings musste sich eine Viertelstunde, nachdem die Nutzlast entlassen worden war, in sichere Entfernung bringen, um beim Zeitpunkt der PAM-Zündung mindestens 14,8 bis 18,5 km weit weg zu sein.

Aber die Astronauten hatten noch eine Menge mehr zu tun, denn auf der 4,80 m langen, 3,40  m hohen und 1,50 m breiten Experimentierplattform SPAS-1 (Shuttle Pallet Satellite) der westdeutschen Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm flogen 10 Experimente ins All, und das war in der Nutzlastbucht noch nicht alles. Es kamen die amerikanisch-westdeutsche OSTA-2-Experimentieranlage hinzu (= Office of Space and Terrestrial Applications, OSTA-1 war bei der Mission STS-2 mitgeflogen), sieben Kanister der Get-Away-Special Serie (GAS), erneut eine Elektrophorese-Anlage und ein Latex-Reaktor sowie das Shuttle Student Involvement Experiment (SSIP). Da erstmals fünf Crewmitglieder flogen, wurde für Start und Landung ein Zusatzsitz auf dem Mitteldeck eingerichtet - vier Crewmitglieder waren auf dem Flugdeck untergebracht. Das Gesamtgewicht der Challenger, das beim Start die Erdgravitation überwinden musste, betrug einschließlich Nutzlast und Tankfüllungen 2.034.666 Kilogramm. Das waren dank weiterer Gewichtseinsparungen immerhin rund 2000 Kilo weniger als bei der STS-6-Mission. Auch "ohne alles" wog die Challenger bei STS-7 nur noch 67.273.4 Kilo.


Die Challenger fliegt über den Wolken der Erde dahin. Die Aufnahme entstand von der mit Kameras bestückten SPAS-Experimentierplattform aus, die aus der Nutzlastbucht herausgehievt worden war und etliche Stunden im freien Flug und in verschiedenen Entfernungen zum Shuttle verbrachte.
Foto: NASA

Am spektakulärsten war der Umgang mit der 13 Millionen Dollar teuren SPAS-1-Plattform, die von der Bundesrepublik Deutschland, der ESA und der NASA ausgerüstet worden war. Messerschmitt-Bölkow-Blohm hatte die Anlage entwickelt, um zu demonstrieren, dass Raumflüge auch für Wirtschaftsunternehmen genutzt werden konnten und keine avantgardistische Spielerei waren. Die ersten Kunden von SPAS waren folgerichtig das Bundesforschungsministerium, die ESA und die NASA mit jeweils eigenen Experimenten. Am dritten Flugtag wurden sieben Experimente des Forschungsministeriums und der ESA für 24 Stunden noch in der Ladebucht angeworfen. Am vierten Flugtag wurde die SPAS-Plattform, die eine eigene Energieversorgung in der Shuttle-Bucht hochgeladen hatte, mit dem Roboterarm (Remote Manipulator System RMS) aus der Nutzlastbucht gehoben, um etliche Stunden separat als Satellit durchs All zu sausen. Während dieser Zeit liefen für neuneinhalb Stunden zwei ESA-Experimente und drei NASA-Experimente auf SPAS, und am Shuttle wurden die Lageregelungsdüsen (Reaction Control System) aus wechselnden Entfernungen zur freifliegenden SPAS gezündet, um zu testen, wie die Plattform davon betroffen würde. Zugleich wurde von der SPAS-Plattform aus das Shuttle selber erstmals im All fotografiert und gefilmt, denn die NASA hatte auf der Plattform eine Hasselblad-Fotokamera angebracht, eine 16mm-Filmkamera und eine Farb-Videokamera, mit denen das Aussetzmanöver und die diversen Navigierungen der Challenger aus unterschiedlichen Entfernungen (zwischen 11 und 61 Metern, mal unter, mal neben der Plattform) gefilmt wurden, Navigierungen, die eine Herausforderung für Pilot Frederick Hauck waren. Ansonsten aber ging es natürlich um die auf der Plattform verankerten wissenschaftlichen Experimente, bei denen es sich beispielsweise um die Herstellung von Metall-Legierungen handelte, um die Arbeit mit Wärmerohren, um Instrumente zur Fernbeobachtung und um ein Massenspektrometer zur Identifizierung von Gasen in der Nutzlastbucht.

Danach galt es, die SPAS-Anlage wieder einzufangen. Wie Missionsspezialist John M. Fabian 2006 in einem Interview des Oral History Project erklärte, war die Arbeit mit dem Roboterarm zwar nicht grundsätzlich schwierig, aber man musste mit dem mehr als 15 m langen Arm sehr geschickt hantieren, um nicht versehentlich die Shuttle-Bordwände zu treffen und Schäden zu verursachen. Dass im Laufe der Mission ein Mikrometeoroid einen Krater in eine Fensterscheibe bohrte, verschwiegen die Astronauten der Bodenkontrolle, die ohnehin daran nichts hätte ändern können. Wie Fabian im selben Interview erklärte, handelte es sich um nur einen Stecknadelkopf winzigen Farbpartikel, der mit voller Wucht ans Fenster knallte - nicht auszudenken, was passieren kann, wenn ein Shuttle von einem etwas größeren Objekt getroffen wird. Das Problem mit dem Weltraum-Müll (Space Debris) ist seither nicht eben kleiner geworden.


Die ramponierte Fensterscheibe der Challenger - ein winziger Farbpartikel hinterließ beim Zusammenstoß mit dem Shuttle einen Krater, aber dank der Mehrfachverglasung kein Loch, was eine ernsthafte Bedrohung bedeutet hätte. Die Astronauten informierten die Bodenkontrolle erst nach der Landung über den Zwischenfall.
Foto: NASA

Was die Experimente der OSTA-2-Anlage betrifft, so waren sie separat in der Nutzlastbucht untergebracht. Das von der NASA entwickelte Material Experiment Assembly (MEA) sollte drei Experimente ausführen: Kristallwachstum, Metallurgie und Glas-Technik in der Schwerelosigkeit. Die MEA-Anlage hatte ein Tischformat und war mit Kontroll- und Prozessierungsinstrumenten ausgestattet. Eigentlich war das Hauptziel bei STS-7, herauszufinden, ob eine solche Anlage voll automatisch und mit minimalem Eingriff der ohnehin viel beschäftigten Crew korrekt laufen würde. Die Kristallzüchtung für Halbleiter war dabei wohl der einfachste Vorgang. Bei dem Experiment "Liquid Phase Miscibility Gap Materials" sollten Metalllegierungen erzeugt werden, die auf der Erde nicht möglich sind, und auch die Glasschmelzprozesse sollten Produkte von "überirdischer" Reinheit erzeugen, wie sie nur unter Schwerelosigkeit gelingen.

Die sieben GAS-Kanister (Get Away Special) mit insgesamt 22 Experimenten stellten die größte Anzahl dar, die ein Shuttle bis dahin transportiert hatte: bei STS-4 und STS-5 war nur je ein Kanister mit geflogen, bei STS-6 waren es drei gewesen. Bei STS-7 brauchten sechs Kanister eine aktive Beteiligung der Crew, nur einer arbeitete automatisch. Die vom deutschen Forschungsministerium  beigesteuerten Experimente MAUS (= Materialwissenschaftliche Autonome Experimente unter Schwerelosigkeit) befanden sich in drei GAS-Kanistern  mit jeweils separaten Wärmequellen und Sensoren.  Eine Serie von fünf Experimenten war aus einem "Jugend forscht"-Wettbewerb hervorgegangen und von der Systemfirma Kayser-Threde gesponsort worden. Dazu gehörten ein Experiment zum Kristallwachstum in flüssiger Lösung, ein Nickel-Katalysator, eine Studie mit von Schwermetallen verseuchten Pflanzen, der Einfluss von kosmischer Strahlung auf Saatgut und Tiereier sowie eine neue Technik zur Nutzlast-Kontrolle.

Bei drei Experimenten der Purdue University in West Lafayette ging es um die Frage, auf welche Weise nukleare Partikel aus der Erdumgebung in Plastikmaterial eindringen könnten. Es ging ferner um das Keimungsverhalten von Sonnenblumenkernen in 72 Stunden Schwerelosigkeit sowie um die Bewegung eines Quecksilbertropfens in einer klaren Flüssigkeit unter Fast-Null-Gravitation. Die Highschool in Camden/New Jersey steuerte die Videoaufzeichnung einer Ameisenkolonie bei: Ändern Ameisen ihr Sozialverhalten unter Schwerelosigkeit?  Zwei Experimente kamen vom Caltech (California Institute of Technology), dabei wurde eine Öl-Wasser-Mischung 96 Stunden lang in der Schwerelosigkeit beobachtet mit dem Hintergrund, ob Metalllegierungen im All perfekter als auf der Erde hergestellt werden könnten. Auch beim Caltech fragte man sich nach der Reaktion von Pflanzen auf die Schwerelosigkeit, in diesem Fall nach dem Wachstum von Radieschensprossen. In einem Einzelkanister wurden neun Experimente der Firma EDSYN (Engineering to Suit Your Needs) transportiert, darunter sollten Lötvorgänge in der Schwerelosigkeit erforscht werden, so beispielsweise das Fließverhalten des erhitzten Metalls und die Oberflächenspannung. Die für die Zukunft wichtige Frage stand dahinter, ob hoch komplexe Elektronikteile notfalls im All repariert werden könnten. Die NASA interessierte sich für die Emission von UV-Strahlung vor allem in der Umgebung der Nutzlastbucht und setzte zu diesem Zweck UV-empfindliche Filmstreifen ein. Zwei Kanister kamen schließlich vom Naval Research Laboratory der Air Force in Washington, bei denen es um automatische Öffnungs- und Schließvorgänge bei den Kanistern ging.

Der Latex-Reaktor (Monodisperse Latex Reactor) erfuhr mit STS-7 seine letzte Mission, er war zuvor schon dreimal dabei gewesen. Die Anlage bestand aus vier je 30 cm hohen Behältern mit einer Rezeptur aus winzigen Latexperlchen in einer Wasser-Chemikalien-Mischung, in der die Perlchen bei Schwerelosigkeit größer wurden, sobald die Apparatur eingeschaltet war. Die Mixtur wurde im Orbit unter Computer-Überwachung auf 70° C erhitzt, und die Produktion schaltete sich nach 20 Stunden automatisch ab. Vom Marshall Space Center aus konnten Forscher zumindest den Zustand des Reaktors während der Kügelchen-Produktion verfolgen. Bei der Mission STS-3 war der Reaktor schon perfekt gelaufen und hatte Kügelchen von 5 Mikrometer Durchmesser produziert, aber bei STS-4 hatte die Leistung aufgrund einer Fehlfunktion nur 55 % ergeben. Bei STS-6 war der Fehler behoben und große Mengen an 10 Mikrometer großen Kügelchen erzeugt worden. Bei STS-7 sollten 20 Mikrometer große Kugeln produziert werden. Die ganze Serie sollte zeigen, ob Kügelchen bis zu 40 Mikrometer Größe wirtschaftlich vertretbar im All hergestellt werden konnten. Wie John Fabian in dem erwähnten Oral History Interview erläuterte, handelte es sich um "foam bubbles" - Schaumbläschen, die unter anderem mit medizinischen Wirkstoffen gefüllt und als Medikamente verabreicht werden konnten. Aber sie sollten auch als Messgeräte für Zellen und Poren im menschlichen Organismus eingesetzt werden, in der Krebs-, Glaukom- und Herzforschung.

Fabians langjährige Kollegin Sally Ride, die mit ihm zusammen im Training und an der Entwicklung des Roboterarms beteiligt gewesen war, kümmerte sich bei der STS-7-Mission um die Elektrophorese (CFES = Continuous Flow Electrophoresis System), bei der erneut organische Flüssigkeiten beim Durchlauf durch ein elektrisches Feld getrennt werden sollten. Die schon bei den Missionen STS-4 und STS-6 ins All geflogene Anlage konnte in der Schwerelosigkeit größere Mengen pharmazeutischer Produkte in bemerkenswerter Reinheit herstellen, und Ziel war ohnehin eine zukünftige kommerzielle Anwendung. Der Vorgang lief so ab, dass biologische Substanzen auf den Boden einer Experimentkammer gebracht wurden, die mit einer elektrisch leitenden Flüssigkeit gefüllt war. Die Substanzen wurden getrennt, sobald sie sich durch das elektrische Feld nach oben bewegten. So war bei STS-4 unter anderem Ei-Albumin, bei STS-6 eine Probe von Hämoglobin und eine zweite aus Hämoglobin und einem Polysaccharid verarbeitet worden. Bei STS-7 wurden Polystyren- und Latex-Partikel benutzt, um die möglichen Grenzen des Experiments zu beobachten und die Hardware zu justieren. Zwar setzte die NASA die Elektrophorese auch zu eigener Forschung ein, aber in den folgenden zwei Jahren sollte die Anlage von 1,80 m Höhe und einem Gewicht von 240 kg noch dreimal im Mitteldeck der Shuttles geflogen werden, um zu testen, welche Stoffe kommerziell geeignet wären. Als nächster Schritt war ein vollautomatischer Prototyp von 2.270 kg Gewicht und der 24-fachen Kapazität in der Nutzlastbucht vorgesehen. Die Firma McDonnell Douglas sah für die Zukunft eine pharmazeutische Dauerproduktion auf einer ständigen Raumstation vor. In diesem Fall hätte die Elektrophorese bis zu sechs Monaten ohne Wartung permanent arbeiten sollen, und die Crew hätte nur die Aufgabe gehabt, vor dem Start das Rohmaterial zu platzieren, die Apparatur im Orbit einzuschalten md später die getrennten Produkte zurück zu bringen.

Der Arzt Norman Thagard hatte die Aufgabe, medizinische Tests zum Thema Raumkrankheit durchzuführen und Daten darüber zu sammeln. Das Space Adaption Syndrome betrifft viele Astronauten in der frühen Flugphase, wenn der Organismus sich noch nicht an die Mikrogravitation angepasst hat und mit Schwindel und Übelkeit reagiert. Missionsspezialist Fabian allerdings beteuerte, bevor Thagard ihn mit seinem Test konfrontiert habe, sei es ihm eigentlich blendend gegangen... Die Crew, die ohnehin auf dieser Mission alle Hände voll zu tun hatte, machte dann auch noch im Auftrag von Geografen und Ozeanografen Fotos von der Erde.

Immer noch war STS-7 auch ein Testfeld für die physikalischen Bedingungen und Möglichkeiten der Shuttleflüge überhaupt. Das Orbiter Experiments Program enthielt beispielsweise ein Aerodynamic Coefficient Identification Package, das seit STS-1 jedes Mal mitgeflogen war und aerodynamische und aerothermische Daten des Shuttles bei Start, im Orbit sowie beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und bei den Landephasen aufzeichnete. Damit wurde eine umfangreiche Datenbasis auch zum Vergleich mit erdgebundenem Flugverhalten möglich. Mit dem High Resolution Accelerometer Package wurden Geschwindigkeitsveränderungen durch aerodynamische Kräfte während des Wiedereintritts in die Hochatmosphäre (in der Höhe von 73 km) gemessen. Das triaxiale Package war 100 mal empfindlicher als vorher mitgeflogene Geräte. Alle diese Daten sollten auch der Entwicklung eines Orbit Transfer Vehicle (OTV) dienen, einer Art Raumschlepper, mit dem Nutzlasten in einen exzentrischen und dann geosynchronen Orbit und später nach Andocken an ein Shuttle oder eine Raumstation zur Erde zurück gebracht werden konnten.

Bei der Rückkehr gab es noch einmal Stress für Pilot Hauck, denn die Challenger sollte auf der neuen Landebahn des Kennedy Space Centers herunterkommen, aber schlechtes Wetter zwang zur Landung auf dem trockenen Salzsee der Edwards Air Force Basis. Immerhin war es einem Team bei der Bodenkontrolle inzwischen gelungen, den Kommunikationssatelliten TDRS (Tracking and Data Relay Satellite) auf die korrekte Umlaufhöhe zu bringen, so dass die Verbindung zwischen Shuttle und Bodenstation im Verlauf der ganzen Mission reibungslos geklappt hatte. Der TDRS war bei der Mission STS-6 ausgesetzt worden, aber durch eine Fehlzündung auf einen zu niedrigen Orbit geraten. Im übrigen war TDRS nicht allein für die lebenswichtige Verbindung zwischen Shuttle und Boden verantwortlich. Schon damals hatte die NASA mit dem Spaceflight Tracking and Data Network (STDN) ein komplexes, weltweites Verbindungssystem mit 2.500 Mitarbeitern und Bodenstationen unter anderem in Australien, Spanien, Afrika, Chile, England und den Bermudas.

Die Astronauten:
Robert Laurel Crippen (commander bei STS-7), geboren 1937 in Beaumont/Texas. Crippen hatte einen Bachelor als Luftfahrtingenieur und Verdienste als Kampfpilot bei der Navy erworben, bevor er Mitglied des 1963 eingerichteten Manned Orbiting Laboratory wurde (MOL). Das MOL-Programm, mit dem eine militärische Spionagestation im All geplant war, wurde nie realisiert, und Crippen war 1969 nach Einstellung des MOL als Astronaut von der NASA übernommen und zunächst in Bodenfunktionen bei den Skylab-Missionen und beim Apollo-Sojus-Test-Projekt eingesetzt worden. Crippen war der erste US-Astronaut, der im Laufe seiner Karriere vier Shuttleflüge absolvierte. Bei der STS-7-Mission war er bereits ein erfahrener Astronaut, hatte er doch zusammen mit John W. Young die kühne Testmission von STS-1 bestanden. Und bereits ein Jahr nach STS-7 war es wieder soweit: 1984 flog Crippen die Missionen STS-41C und STS-41G, letzere erneut mit Sally Ride.


Pilot Frederick Hauck hakt eine Kontrolliste auf dem vorderen Flugdeck ab.
Foto: NASA

Frederick Hamilton Hauck (Pilot bei STS-7), geboren 1941 in Long Beach/Kalifornien. Hauck war Physiker und Nukleartechniker und hatte seine Pilotenausbildung bei der Navy gemacht, wo er es bis zum Testpiloten für diverse Flugzeugmodelle gebracht hatte. 1978 suchte die NASA ihn als Astronauten-Kandidat aus, aber es dauerte bis 1983, bis er endlich ins All kam: STS-7 war sein erster Raumflug. Allerdings war es nicht der letzte: 1984 und 1988 startete er mit der Discovery (STS-51A und STS-26). Zwischendurch waren zwei geplante Flüge wegen der Challenger-Katastrophe abgesagt worden, darunter eine der wichtigsten Missionen der internationalen Raumfahrt, nämlich die Aussetzung des Ulysses-Sonnenbeobachters. Der Satellit, der erstmals die Ekliptik-Ebene verließ und in weitem exzentrischen Orbit die Pole der Sonne überflog, wurde erst 1990 mit der Discovery ins All gebracht (STS-41). Immerhin war Hauck mit der Mission STS-26 Kommandant des ersten Shuttlefluges, den die NASA nach der Challenger-Katastrophe wieder veranstaltete. Er ging 1989 zur Navy zurück, wo er Leiter der Navy Space Systems wurde. Dort blieb er aber nicht lange, von 1990 bis 2005 hatte er leitende Funktionen in der Raumfahrtsparte des Versicherungskonzerns AXA. Die Liste seiner diversen Positionen, Mitgliedschaften und Ehrungen ist lang.

Sally Kristen Ride (mission specialist bei STS-7), geboren 1951 in Los Angeles, gestorben 2012 in La Jolla/ Kalifornien. Sally Ride war die Tochter eines Politikwissenschaftlers und hatte ebenfalls eine akademische Ausbildung absolviert: Sie war Physikerin mit Doktortitel, bevor sie sich als eine von 8000 Personen auf eine NASA-Anzeige hin bewarb und 1978 ihre Astronautenausbildung als Missionsspezialistin begann. Als Capcom (Capsule Communicator) betreute sie auf der Bodenstation in Houston bereits die Crews der Missionen STS-2 und STS-3, bevor sie im Alter von 32 Jahren als damals jüngste Person ihren ersten Raumflug mit STS-7 antrat. Mit Sally Ride startete auch erstmals eine Frau bei der NASA, vor ihr waren nur die Kosmonautinnen Valentina Tereschkova und Svetlana Savitskaja im Orbit gewesen. Das Medieninteresse war riesengroß (und die Journalisten zeigten sich nicht sehr kompetent), aber obwohl Sally Ride sich persönlich wenig aus ihrer Publizität machte, wurde sie zur Raumfahrt-Ikone und zum Vorbild für eine ganze Generation bildungs- und karrierehungriger junger Frauen.

Mit der Challenger-Mission STS-41G 1984 konnte sie erneut ins All fliegen, und die Mission STS-61M war bereits mit ihr geplant, wurde aber wegen der Challenger-Katastrophe 1986 abgesagt. Sally Ride war Mitglied der anschließenden Untersuchungskommission und wurde in der gleichen Funktion herangezogen, als 2003 die Mission STS-107 der Columbia ähnlich katastrophal scheiterte. Sally Ride war damit die einzige Person, die in beiden Kommissionen nach den Ursachen suchte. Dabei scheint sie mit schonungsloser Unbefangenheit aufgetreten zu sein. NASA-Ingenieur Roger Boisjoly (1938-2012), der aus technischen Gründen vor der Challenger-Katastrophe gewarnt hatte, fand in Sally Ride offenbar das einzige Kommissionsmitglied, das ihm zuhörte und seine Äußerungen ernst nahm. Außerdem leitete sie ein Team, das der NASA nach dem Desaster wieder Aufwind geben und neue Raumfahrtziele präsentieren sollte: Der 1987 publizierte Sally-Ride-Report ("NASA Leadership and America's Future in Space: A Report to the Administrator") ist voll ehrgeiziger Pläne und der Versicherung ihrer Realisierbarkeit. Allerdings schied sie 1987 aus der NASA aus und nahm ihre Hochschultätigkeit wieder auf, lehrte zunächst an der Stanford University und bekam 1989 eine Physikprofessur an der Universität San Diego, wo sie im Bereich von Hochenergie, Plasma und interstellarer Materie forschte.


Sally Ride im Jahr 2005
Foto: NASA

Ihre Rolle als Vorbild nahm sie gern und geradezu mit Leidenschaft an, um junge Menschen für Naturwissenschaften und Raumfahrt zu begeistern. 2001 gründete sie das Unternehmen Sally Ride Science, das Schülern astronomische Bildung vermitteln sollte. Von 1995 bis zu ihrem Tod leitete sie das Projekt "ISS EarthKAM" und "Grail MoonKAM", mit dem vor allem Mädchen Fotos von Erde und Mond zur Verfügung gestellt wurden. Sie publizierte fünf Bücher zur Raumfahrt und zu astronomischen Themen, darunter das Kinderbuch "To Space and Back". Für das Buch "The Third Planet: Exploring the Earth from Space", das sie gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Tam O'Shaughnessy geschrieben hatte, erhielten beide den Science Writing Award des American Institute of Physics. Sally Ride war in USA eine der bekanntesten Persönlichkeiten überhaupt, präsent in Fernsehshows, Werbespots und als Gastrednerin. 2008 hatte sie Barack Obamas Wahlkampf mit unterstützt. Anderthalb Jahre vor ihrem Tod erfuhr sie, dass sie  Bauchspeicheldrüsenkrebs hatte, und erst nachdem sie im Alter von 61 Jahren gestorben war, wurde ihr Privatleben diskutiert, das sie zeitlebens vor der Öffentlichkeit geschützt hatte. Sie war in fünfjähriger Ehe von 1982-1987 mit dem NASA-Astronaut Steven Alan Hawley verheiratet gewesen, der bis 1999 insgesamt fünf Shuttle-Flüge absolvierte. Die Ehe scheint nicht sehr harmonisch gewesen zu sein, denn Sally Ride entschied sich bereits 1985, mit ihrer Jugendfreundin, der Schulpsychologin und Wissenschaftspublizistin Tam O'Shaughnessy zusammen zu leben, die auch Vizepräsidentin von Sally Ride Science war. Die Beziehung mit Tam hielt bis zu Sallys Tod; erst danach wurde die Frage aufgeworfen, warum Astronauten eigentlich nicht öffentlich zu ihrer Homosexualität stehen könnten?

John McCreary Fabian (mission specialist bei STS-7), geboren 1939 in Goose Creek/Texas. Fabian hatte einen Bachelor in Maschinenbau, einen Master und schließlich einen Dr. in Luft- und Raumfahrttechnik und zusätzlich bei der Air Force eine Pilotenausbildung gemacht. Mit 96 Kampfeinsätzen in Südostasien während des Vietnam-Krieges war er bei der Navy inzwischen selber zum Piloten-Ausbilder geworden und hatte vier Jahre lang eine Professur im Luftfahrt-Department der Air Force Academy in Colorado. Bei der NASA war er seit 1978 vor allem mit den technischen Voraussetzungen des Aussetzens und Einfangens von Satelliten im All beschäftigt und hatte den Roboterarm mit entwickelt, bis er bei seinem Erstflug mit STS-7 das Gerät mit der Plattform SPAS-1 selbst ausprobieren konnte: Er ist der erste Astronaut, der einen frei fliegenden Satelliten aussetzte und wieder einfing. Fabian flog 1985 noch einmal mit der Discovery ins All (STS-51G), aber die Challenger-Katastrophe 1986 brachte auch seine Astronauten-Karriere durcheinander. Mit der Mission STS-61G war die Aussetzung der Jupiter-Sonde Galileo geplant gewesen, eine Mission von ähnlicher Bedeutung wie Ulysses. Die Mission wurde abgesagt ebenso wie die Spacelab-Mission STS-71E.


Astronaut John McCreary Fabian
Foto: NASA

Fabian verließ die NASA noch 1986 und ging wieder zur Air Force, aber bereits 1987 wechselte er zu Analytic Services Inc., einem öffentlichen Non-Profit-Forschungsdienst in Arlington/Virginia, den er erst 1998 als Präsident und geschäftsführendes Vorstandsmitglied verließ. Fabian ist heute unabhängiger Berater und Vortragsredner über NASA-Programme und Umweltprobleme. Die Erfahrung, die Erde von oben und damit ihre Verletzlichkeit aus dem All gesehen zu haben, hat ihn nach eigener Aussage für Umweltprobleme mehr und mehr sensibilisiert. Fabian war beispielsweise Mitgründer der 4000 Mitglieder umfassenden Hood Canal Coalition, mit der eine Firma im Jahr 2002 daran gehindert wurde, die historische Pontonbrücke und das Ökosystem am Hood Canal in US-Bundesstaat Washington zugunsten eines großen Industriehafens zu zerstören. Als Astronaut zum Anfassen war er von 2000 bis 2001 im Besucherzentrum des Kennedy Space Centers vor Ort.


Missionsspezialist Norman Thagard, der als Arzt bei der STS-7-Mission Daten zu Kreislaufproblemen und Anpassungsschwierigkeiten der Astronauten an die Schwerelosigkeit sammelte.
Foto: NASA

Norman Earl Thagard (mission specialist bei STS-7), geboren 1943 in Marianna/Florida. Thagard hatte einen Master in Ingenieurwissenschaften und war 1966 zum US Marine Corps gestoßen, wo er eine Pilotenausbildung machte und schließlich 163 Kampfeinsätze im Vietnamkrieg flog. Insgesamt kam er auf mehr als 2200 Flugstunden, davon die meisten in Düsenjets. Dennoch war ihm das offenbar nicht genug. An der University of Texas in Dallas machte er 1977 einen Doktor in Medizin - ein Jahr später begann bei der NASA seine Astronautenausbildung zum Missionsspezialist. STS-7 war sein erster Raumflug, aber wahrlich nicht der letzte. Es folgten noch vier weitere Shuttleflüge (STS-51B mit der Challenger, STS-30 mit Atlantis und der Aussetzung der Venus-Sonde Magellan, STS-42 mit Discovery und dem Spacelab-Modul sowie STS-71 im Jahr 1995 - aber das war nur ein Rückflug von der russischen Raumstation Mir, auf der Thagard 115 Tage verbracht hatte: Er war tatsächlich der erste amerikanische Kosmonaut. Im Dezember 1995 wechselte er von der NASA zur Florida State University, wo er eine Direktorenposition bekam. Thagard trat zudem mit Vorträgen und als technischer Berater unter anderem für die Science-Fiction-Spielfilme "Virus" (1999) und "Armageddon" (1998) in Erscheinung. Bei der Firma Space Adventures wurde er Berater für private Raumflüge.
hey

Infos:
Die Mission
- Presseinformation: http://www.jsc.nasa.gov/history/shuttle_pk/pk/Flight_007_STS-007_Press_Kit.pdf
- Electrophorese und Latex Reaktor: http://ntrs.nasa.gov/archive/nasa/casi.ntrs.nasa.gov/19880001596_1988001596.pdf

Die Astronauten
Robert Laurel Crippen
- Wikipedia:http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Crippen
-
Interview mit Rebecca Wright 2006 im Rahmen des Oral History Projects des Johnson Space Centers: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/CrippenRL/CrippenRL_5-26-06.pdf (95 Seiten)
- Biografie in Daten: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/CrippenRL/CrippenRL_Bio.pdf

Frederick Hamilton Hauck
- Biografie in Daten: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/HauckFH/HauckFH_Bio.pdf
- Oral History Interviews: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/HauckFH/HauckFH_11-20-03.pdf (Kindheit und Berufsanfang, 50 Seiten)
http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/HauckFH/HauckFH_3-17-04.pdf  (NASA-Karriere, 30 Seiten)
- Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/John_M._Fabian

Sally Kristen Ride
- Biografie in Daten: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/RideSK/RideSK_Bio.pdf
- Oral History Interviews: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/RideSK/RideSK_10-22-02.pdf (38 Seiten) sowie http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/RideSK/RideSK_12-6-02.pdf  (16 Seiten)
-Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Sally_Ride
- Der Sally Ride Report: http://history.nasa.gov/riderep/main.PDF
- Nachruf: http://blogs.scientificamerican.com/observations/2012/07/23/american-astronaut-sally-ride-dies-at-61/

John McCreary Fabian
- Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/John_McCreary_Fabian
- Interiew mit Jennifer Ross-Nazzal 2006 im Rahmen des Oral History Project des Johnson Space Centers: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/FabianJM/FabianJM_2-10-06.pdf (75 Seiten)
- Umweltaktivität: http://www.seattlepi.com/local/article/Seeing-Earth-from-on-high-made-ex-astronaut-want-1140563.php

Norman Earl Thagard
- Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Norman_Thagard
- Oral History Interview: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/ThagardNE/THAGARD_4-23-98.pdf

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