Space Transportation System (STS)
die Raumfähren der NASA von 1981 bis 2011


Für jede Mission ließ die NASA ein eigenes Emblem entwerfen. Mit diesem Patch des Designers Blake Dumesnil von 2010 sollte an das bevorstehende 30-jährige Jubiläum 2011 erinnert werden - und zugleich an das Ende des Shuttle-Programms, das 2011 auslief. 
Foto: NASA

URL dieser Website: http://www.kunstundkosmos.de/NASA-SpaceTransportationSystem-STS/Uebersicht.html

Sitemap
Übersicht Astronomie

Apollo-Sojus-Rendezvous 1975

18-12-2011
Last Update 24-02-2014

Drei Jahrzehnte im Orbit um die Erde
Das Raumfähren-Programm der NASA endete 2011

Von Christel Heybrock

Welche Rolle spielten Raumfähren, bevor sie den fast ausschließlichen Zweck erfüllten, Astronauten zu einer dauerhaften Raumstation im Erdorbit zu bringen und wieder zurück? In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts war die bemannte Raumfahrt trotz aller Erfolge interplanetarer Missionen in West und Ost immer noch ein Versuchsfeld, und was die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA (National Aeronautics and Space Administration) betrifft, so war das Versuchsfeld durchaus auch auf eine zukünftige Raumstation hin ausgerichtet: "Freedom" hieß das Projekt, für dessen Realisierung Amerika irgendwann die Lust und das Geld verlor, so dass eine internationale Kooperation schließlich zur "International Space Station" (ISS) führte. Während die ISS erst ab 1998 gebaut wurde, hatte die Sowjetunion mit der Raumstation "Mir" bereits seit 1986 Erfahrung - und auch mit dem entsprechenden Shuttle-System, auf das die Nationen der ISS zurück greifen konnten, als die NASA 2011 ihren letzten Shuttleflug organisierte. Die "Mir" (= Frieden) wurde 2001 zum kontrollierten Absturz gebracht, weil sie längst nicht mehr auf dem technischen Stand der Zeit war. Dass die NASA ihr Space Transportation System (STS) zehn Jahre später aufgab, hatte ähnliche Gründe: die (mittlerweile nur noch) drei fast baugleichen Fähren waren in die Jahre gekommen, und da die NASA an der ISS längst nicht weiter interessiert war, wurden die ISS-Kosten für das in Planung befindliche neue Shuttle-System "Orion" eingespart in der Hoffnung auf private Investoren. Und seit "Orion" für den Aufbruch bemannter Missionen jenseits der Erdumlaufbahn geplant wird, sind natürlich auch die technischen Anforderungen an ein so kühnes Shuttle gewachsen. Aus der Sicht der "Orion"-Designer dürften die Raumfähren des Space Transportation Systems nachträglich geradezu rührend wirken. Allein im Cockpit aller STS-Shuttles hatten die Astronauten mit zehn  Monitoren und nicht weniger als 1200 Schalterknöpfen, Skalenscheiben und Messgeräten zu kämpfen - Hightech des 21. Jahrhunderts sieht erheblich anders aus.

In den 1980er und 1990er Jahren waren die Raumfähren unerlässlich, um überhaupt zunächst auszuprobieren, welche orbitalen Belastungen die Technik, aber auch die Astronauten aushalten konnten. Die Shuttles waren unerlässlich für eine beginnende Materialforschung in der Schwerelosigkeit, aber auch in der Forschung an biologischen Organismen, die in der Fast-Null-Gravitation ganz neuen Bedingungen ausgesetzt waren. Nicht zuletzt auch das Pentagon nutzte die Möglichkeiten eines anderen Blicks auf die Erde (und vor allem auf  "feindliche" Nationen). In erster Linie aber war der Aufbruch des Menschen ins All mit dem Space Transportation System eine sich wiederholende Heldennummer, zwar nicht so spektakulär wie zuvor die Mondlandungen, aber dafür dauerhaft und fast regelmäßig. Es waren letztlich ja doch tolle Kerle, die Astronauten, die sich den oft unerwarteten Risiken und den Anforderungen einer vorwärtsdrängenden, lebensnotwendigen Technik gewachsen zeigten, wobei Höhepunkte gesetzt wurden mit wichtigen astronomischen Missionen wie der Aussetzung des Gammastrahlen-Teleskops Compton oder des Weltraumteleskops Hubble, die das Selbstverständnis des Menschen im Kosmos verändern sollten. Die Männer und Frauen im Shuttle, die manchmal von der Luftwaffe, oft aber auch aus Technik und Wissenschaft stammten, wurden zum Vorbild für junge Generationen - der einstige Traumberuf  "Lokführer" dürfte damals rasch seinen Glanz verloren haben.

Die NASA zählte ihre Shuttle-Missionen von STS-1 im April 1981 bis STS-135 im Juli 2011. Dreißig Jahre bemannte Raumfahrt im Erdorbit, es ist eine stolze, aber nicht ungetrübte Bilanz. Zwei gescheiterte Missionen gehören zu den schrecklichsten Katastrophen der Raumfahrt: 1986 stürzte die Challenger-Fähre kurz nach dem Start ab, 2003 wurde die Columbia nach erfolgreicher Mission beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre buchstäblich zerfetzt. In beiden Fällen starben jeweils sieben Astronauten. Beide Unglücksfälle führten zu längeren Startpausen und bei der peniblen Ursachenanalyse zu dem Ergebnis, dass Pfusch, Prestigeerwägungen und kleine, vermeidbare technische Fehler die verheerenden Folgen verursacht hatten. Raumfahrt ist immer ein riskantes Unterfangen, die bemannte Raumfahrt, von klugen Köpfen als "Blödsinn" kritisiert, ist es allemal. Aber aufhören kann die Menschheit damit nicht mehr.

Die vier fast baugleichen Shuttles der NASA waren:

- Columbia (nach der Katastrophe von 2003 nicht ersetzt)

- Atlantis

- Discovery

- Challenger – nach der Katastrophe von 1986 ersetzt durch Endeavour

 


Foto: NASA/ Wikimedia Commons

 

Hier das Schema der Antriebselemente, mit denen die Raumfähren die Erdgravitation überwanden. Dass die Astronauten, um einen Vergleich zu benutzen, beim Start auf einem Pulverfass gesessen hätten, ist eine lächerliche Untertreibung:

 


Foto: NASA

 

 

Die tatsächliche Reihenfolge der Missionen entspricht in vielen Fällen nicht den Missionsziffern. Dafür gibt es mehrere Gründe:

- Ausfall einer Mission

- die vorübergehende Änderung des Zählsystems gemäß dem fiskalischen Jahr

- die Fortsetzung des alten Zählsystems nach der Challenger-Katastrophe 1986

- die mehrjährige Unterbrechung der Shuttle-Flüge nach der Challenger-Katastrophe

- Startverschiebungen wegen technischer und anderer Probleme

 

Die tatsächliche Reihenfolge der Missionen war folgende:

 

STS-1, STS-2, STS-3, STS-4, STS-5, STS-6, STS-7, STS-8, STS-9, STS-41-B, STS-41-C, STS-41-D, STS-41-G, STS-51-A, STS-51-C, STS-51-D, STS-51-B, STS-51-G, STS-51-F, STS-51-I, STS-51-J, STS-61-A, STS-61-B, STS-61-C, STS-51-L, STS-26, STS-27, STS-29, STS-30, STS-28, STS-34, STS-33, STS-32, STS-36, STS-31, STS-41, STS-38, STS-35, STS-37, STS-39, STS-40, STS-43, STS-48, STS-44, STS-42, STS-45, STS-49, STS-50, STS-46, STS-47, STS-52, STS-53, STS-54, STS-56, STS-55, STS-57, STS-51, STS-58, STS-61, STS-60, STS-62, STS-59, STS-65, STS-64, STS-68, STS-66, STS-63, STS-67, STS-71, STS-70, STS-69, STS-73, STS-74, STS-72, STS-75, STS-76, STS-77, STS-78, STS-79, STS-80, STS-81, STS-82, STS-83, STS-84, STS-94, STS-85, STS-86, STS-87, STS-89, STS-90, STS-91, STS-95, STS-88, STS-96, STS-93, STS-103, STS-99, STS-101, STS-106, STS-92, STS-97, STS-98, STS-102, STS-100, STS-104, STS-105, STS-108, STS-109, STS-110, STS-111, STS-112, STS-113, STS-107, STS-114, STS-121, STS-115, STS-116, STS-117, STS-118, STS-120, STS-122, STS-123, STS-124, STS-126, STS-119, STS-125, STS-127, STS-128, STS-129, STS-130, STS-131, STS-132, STS-133, STS-134, STS-135

 

Die numerische Reihe dagegen:

 

STS-1, STS-2, STS-3, STS-4, STS-5, STS-6, STS-7, STS-8, STS-9, STS-10

STS-11, STS-12, STS-13, STS-14, STS-15, STS-16, STS-17, STS-18, STS-19, STS-20

STS-21, STS-22, STS-23, STS-24, STS-25, STS-26, STS-27, STS-28, STS-29, STS-30

STS-31, STS-32, STS-33, STS-34, STS-35, STS-36, STS-37, STS-38, STS-39, STS-40

STS-41, STS-42, STS-43, STS-44, STS-45, STS-46, STS-47, STS-48, STS-49, STS-50

STS-51, STS-52, STS-53, STS-54, STS-55, STS-56, STS-57, STS-58, STS-59, STS-60

STS-61, STS-62, STS-63, STS-64, STS-65, STS-66, STS-67, STS-68, STS-69, STS-70

STS-71, STS-72, STS-73, STS-74, STS-75, STS-76, STS-77, STS-78, STS-79, STS-80

STS-81, STS-82, STS-83, STS-84, STS-85, STS-86, STS-87, STS-88, STS-89, STS-90

STS-91, STS-92, STS-93, STS-94, STS-95, STS-96, STS-97, STS-98, STS-99, STS-100

STS-101, STS-102, STS-103, STS-104, STS-105, STS-106, STS-107, STS-108, STS-109, STS-110, STS-111, STS-112, STS-113, STS-114, STS-115, STS-116, STS-117, STS-118, STS-119, STS-120, STS-121, STS-122, STS-123, STS-124, STS-125, STS-126, STS-127, STS-128, STS-129, STS-130, STS-131, STS-132, STS-133, STS-134, STS-135

 

Infos:

- Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Space_Transportation_System

- NASA http://www.nasa.gov/mission_pages/shuttle/main/index.html
http://www.nasa.gov/mission_pages/shuttle/shuttlemissions/index.html (Liste aller Shuttle-Missionen)

http://www.jsc.nasa.gov/history/shuttle.htm
http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/participants.htm (Interviews u.a.mit Astronauten im Rahmen des Oral History Projects des Johnson Space Centers)
http://www.nasa.gov/centers/kennedy/pdf/167382main_Volume1R.pdf (besondere Vorkommnisse bei STS-1 bis STS-103)
http://www.nasa.gov/externalflash/shuttlefolio/shuttle_portfolio.html (Fotogalerie der Shuttle-Missionen)

kostenlose counter