Die Achämeniden, Übersicht über eine persische Dynastie

Die Palastanlage Persepolis aus der Vogelperspektive, eine Rekonstruktion von Charles Chipiez (1835-1901). Die Reste der einstigen Hauptstadt des persischen Reiches wurden erst ab 1924 durch Ernst Herzfeld ausgegraben. Der Architekturhistoriker Chipiez konnte also wesentliche Teile der Anlage noch nicht kennen, als er zusammen mit dem Archäologen Georges Perrot im 19. Jahrhundert den Orient bereiste. Die Abbildung wurde Band V der großen Publikation von Perrot/Chipiez entnommen ("Histoire de l'Architecture dans l'Antiquité", 1890).
Foto:
Wikimedia Commons

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Übersicht Archäologie


Persepolis

Ausstellung "Das Persische Weltreich"
Felsgräber von Naqsh-e-Rostam
Sassaniden-Dynastie

17-04-2004

Die Achämeniden-Könige

zusammengestellt von Christel Heybrock

Meder-Fürsten:

Kyaxares                  7. Jh. v. Chr., sein Sohn heißt Astyages

  •                         lässt die skythische Elite ermorden
  •                         verbündet sich mit Nabopolassar, König von Babylon
  •                         zerstört  mit Nabopolassar das assyrische Reich sowie Ninive, Assur, Harran
  •                         der Achämenide Cyrus ist Vasall und Heerführer von Kyaxares

Achämeniden:

Achämenes   700-675 vor Christus, persisch Hachamanish, führt seit 701 die Perser nach Süden. 

Teispes          675-650/640, pers. Tshaishpish, Sohn von Achämenes

Cyrus I.         650/640-600, Sohn von Teispes, älterer Bruder von Ariaramnes, der eine Seitenlinie  begründet. Um 639 verwüstet Assyrerkönig Assurbanipal Susa (Elam?). Cyrus schickt eine Ergebenheitsadresse und seinen Sohn Arrikku (?) als Geisel.

Cambyses I.  600-559, pers. Kambusieh, Sohn von Cyrus I., der Sage nach verheiratet mit Mandana, Tochter des Mederfürsten Astyages (Walther Hinz bezweifelt das).

Cyrus II. (d. Große)    559-530, pers. Kurush, Sohn von Cambyses I. und angebl. der Medertochter Mandana – demzufolge hätte Cyrus II. seinen eigenen Großvater Astyages in der Schlacht besiegt. Cyrus erobert außer dem Mederreich (550) auch die Lyder unter König Krösus (546) sowie 539 Babylon. Verheiratet mit Kassandane, Tochter des Achämenidenprinzen Farnaspa (daraus zwei Söhne – Cambyses und Brdya – sowie drei Töchter – Atossa, Roxane, Artystone). Geboren 601, stirbt er 530 in einer Schlacht gegen die Skythen. Grabmal in Pasargadae in schlechtem Zustand erhalten.

Cambyses II.     530-522, Sohn von Cyrus II., finsterer Machtneurotiker, der seinen jüngeren Bruder Brdya (= Smerdis) ermorden lässt,  bevor er zur Eroberung Ägyptens aufbricht (Ägypten fällt 525, Libyen und Nubien kommen hinzu). Cambyses übernimmt von den eroberten Elamern offenbar als erster Achämenide die Geschwisterehe und heiratet, ebenfalls vor dem Ägyptenfeldzug, seine Schwestern Roxane und Atossa (Artystone ist noch zu jung). Während seiner Abwesenheit erhebt sich in Persien der Magier Gaumata (11.3. bis 29.9.522) zum König, indem er sich als Brdya, der ermordete Königsbruder, ausgibt. Auf der eiligen Rückreise erleidet der bislang kinderlose Cambyses einen Unfall und stirbt an Blutvergiftung. Die Überreste seines Grabmals konnten 2006 in Pasargadae nahe der Festung Toll-e-Takht identifiziert werden.

Darius I. (d. Große)     522-486, pers. Dariush, Sohn des Hystaspes aus der von Ariaramnes begründeten Seitenlinie (Darius I. ist Urenkel von Ariaramnes). Machtergreifung 29. September 522. Innerhalb eines Jahres muss Darius sowohl den aufständischen Magier Gaumata als auch alle vom Reich abgefallenen Völker noch einmal besiegen. Es ist umstritten, ob die Sache mit dem Magier Gaumata nicht eine Erfindung von Darius und er selbst der Mörder von Brdya ist.

Er übernimmt als Nachfolger von Cambyses auch dessen Harem und ist dadurch (unter anderem) mit den beiden Cyrus-Töchtern Atossa und Artystone verheiratet (die dritte, Roxane, hatte Cambyses auf dem Ägyptenfeldzug begleitet und war 523 an einer Fehlgeburt gestorben). Von der Tochter des Gobryas hat Darius den ersten Sohn Artabasanes. Xerxes I., der zweite Sohn, stammt von der Cyrus-Tochter Atossa.

Darius beginnt den Bau der Palastanlage Persepolis. Nach kurzer Krankheit stirbt er 486 und wird als erster König in der Felswand von Naqsh-e-Rostam beigesetzt, wo er drei Nischen für jeweils drei Sarkophage aushöhlen ließ.

Xerxes I.    486-465, pers. Khashayar, Sohn von Darius I., erweitert Persepolis. Grab in der Felswand von Naqsh-e-Rostam. Verliert 480 die Thermopylenschlacht gegen die Griechen.

Verheiratet mit Amestris.

Lässt im Zusammenhang einer Hofintrige seinen Bruder Masistes ermorden. Sein Sohn Darius (nicht auf dem Thron) heiratet Artayante, die Tochter des Masistes.  Xerxes I. wird im August 465 selbst durch eine Palastintrige ermordet, an der sein Schwiegersohn Megabyxos beteiligt ist, Ehemann von Xerxes’ Tochter Amytis.

Artaxerxes I.   465-425, Sohn von Xerxes I., Beiname „Makrochair“ = Langarm, was einem achämenidischen Schönheitsideal entspricht. Beigesetzt im Felsengrab von Naqsh-e-Rostam.

Xerxes II.         424, regiert nur 45 Tage, Sohn von Artaxerxes I., ermordet von Eunuchen im Zuge einer Palastintrige.

Sogdiana          424-423, ebenfalls Sohn von Artaxerxes I., Halbbruder von Xerxes II., regiert sechseinhalb Monate. Ermordet von seinem Bruder Darius II.

Darius II.          423-404, dritter Sohn von Artaxerxes, Halbbruder von Xerxes II., verheiratet mit der Sadistin Parysatis (mit ihr die Söhne Artaxerxes II. und Cyrus, der in einer Schlacht gegen seinen Bruder fiel). Als letzter Herrscher beigesetzt in Naqsh-e-Rostam.

Artaxerxes II.   404-359, Beiname Mnemon, Sohn von Xerxes II. und der Parysatis, einer pathologischen Sadistin. Verheiratet mit seiner eigenen Tochter Atossa sowie mit Stateira, der Schwester von Terituchmes, der wiederum Ehemann von Parysatis’ Tochter Amestris war.

Sein Sohn Darius  (nicht auf dem Thron) war mit der Griechin Aspasia verheiratet, einer ehemaligen Geliebten seines Onkels Cyrus(siehe Darius II.). Artaxerxes II. ermordet den Sohn Darius, nachdem dieser ein Mordkomplott auf ihn geschmiedet hatte.

Sohn Ochos (= Artaxerxes III.)

Sohn Ariaspes,ermordet von Ochos

Sohn Arsames, ermordet von Ochos

Die verstärkte Verbreitung des alten Anahita-Kults, der sich mit der Zarathustra-Religion vermischt, ist auf Artaxerxes II. zurückzuführen. Er lässt sich in der Felswand von Persepolis beisetzen (in der Höhle befinden sich Nischen für zwei Sarkophage).

Artaxerxes III.   359-338, Sohn von Artaxerxes II, Beiname Ochus, vergiftet 338 vom Eunuchen Bagoas, beigesetzt in der Felswand von Persepolis (Platz für 6 Sarkophage).

Arses    337-335, Sohn von Artaxerxes III., ermordet von Bagoas.

Darius III.   335-330, Beiname Codamannus, Sohn von Rshama (= Arsames) aus der Darius II.-Linie und der Sisygambris (die sich 323 aus Kummer wegen Alexanders Tod in Babylon umbrachte). Seine Tochter Stateira wurde mit Alexander verheiratet und von Alexanders weiterer Ehefrau Roxane ermordet.

Darius III. ermordet 336 den Bagoas, dem er damit zuvorkommt. Kampf gegen Alexander. Darius III. wird schließlich von seiner Leibwache, dem Ersten Minister und Truppenmitgliedern verschleppt und 530 (532?) von seinem Satrapen Bessos in Baktrien im Norden des Reiches ermordet. Persepolis ist kurz zuvor durch die Soldaten Alexanders in Flammen aufgegangen.

Artaxerxes IV.   330 oder 332, Tod im selben Jahr durch Alexander, identisch mit dem Satrapen Bessos, einem der Putschisten gegen Darius III.

Die Söhne der Darius-I.-Linie:

Achämenes

Teispes

Ariaramnes, jüngerer Bruder von Cyrus I.

Arsames (= Rshama)

Hystaspes (= Vishtaspa)

Darius I.

Die Söhne der Darius-II.-Linie:

Darius II.

Artastes

Arsames (=Rshama)

Darius III.

Die Frauen der Könige

Cyrus II.  verheiratet mit Kassandane (gestorben November 539 v. Chr.), Tochter des Achämeniden-Prinzen Farnaspa.

Söhne: Cambyses II. und Brdya

Töchter: Atossa (persisch Hutautha = die mit dem schönen Dickbein), Roxane (persisch Rauchshna), Artystone (persisch Rtastuna)

Cambyses II. heiratet vorm Ägyptenfeldzug als erster Achämenide seine Schwestern, was er zuvor durch Ratgeber legalisieren lässt. Die Geschwisterehe war sonst nur bei den unterworfenen Elamern üblich, die auf diese Weise die Spindel-Erbfolge austricksten: Erbberechtigt in der Thronfolge war nicht der älteste Sohn des Königs, sondern vielmehr der Sohn von dessen Schwester. Durch die Einführung der Geschwisterehe dürfte Cambyses II. (ebenso wie durch den Mord an seinem Bruder Brdya) versucht haben, seine Thronrechte während der Abwesenheit zu sichern. Seine Befürchtungen, ein Rivale könnte sich während seines Ägyptenfeldzugs des Reiches bemächtigen, waren ja nicht unbegründet. Womöglich auch deshalb nahm er Roxane auf den Feldzug mit: Sie starb 523 an einer Fehlgeburt. Atossa war in Persien geblieben (und Artystone ohnehin noch zu jung).

Darius I.  Gatte von mindestens sechs Ehefrauen: Erstfrau ist noch vor der Thronbesteigung Rtabana, Tochter seines Vertrauten und späteren Satrapen Gaubarva. Nach der Niederwerfung der Aufständischen im Jahr 522 übernimmt er den Harem von Cambyses mit den zwei verbliebenen Cyrus-Töchtern Atossa und der inzwischen erwachsenen Artystone, die seine Lieblingsfrau wird. Es kommen hinzu: Parmush, Tochter des ermordeten Brdya, sowie Apaukish und Faiduma, die Tochter eines Vertrauten und Freundes (und sicherlich noch einige weitere, bisher nicht nachweisbare Gattinnen). Mit Artystone hat er mindestens zwei Kinder: den Arsames (Rshama) und ein weiteres. Atossa dagegen bringt den Thronfolger Xerxes I. zur Welt sowie zwei weitere Söhne. Atossa dürfte zumindest nominell auch im Harem des aufständischen Magiers Gaumata gelebt haben, so dass sie Gattin von drei Männern war: Cambyses, Gaumata, Darius.

Wie die Frauen im Harem lebten, den sich Xerxes I. großzügig in Persepolis erbauen ließ, wissen wir nicht genau, aber Heidemarie Koch, die die bisherigen Auswertungen der beim Brand konservierten Verwaltungs-Tontäfelchen aus Persepolis beschreibt („Es kündet Dareios der König...“), schildert einen freien, selbständigen Umgang mit Frauen. Die Königinnen reisten viel, waren luxuriös versorgt und hatten jeweils mehrere eigene Paläste im Reich, mussten aber penibel Buchführung über Einnahmen und Ausgaben halten. Eine sexuelle Selbstbestimmung im modernen Sinn scheint jedoch undenkar gewesen zu sein.

Literatur:

- Heidemarie Koch: „Es kündet Dareios der König... Vom Leben im persischen Großreich“, Verlag Philipp von Zabern, 3. Auflage Mainz 2000, 310 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 24,80 Euro, ISBN 3-8053-1934-7 (vergriffen)

- Walther Hinz: „Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden“, Holle Verlag, Baden-Baden 1976, 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 3-87355-165-9 (vergriffen)

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