Fanfan la Tulipe


Cover des Romans von Benjamin Rochefort (Albatros-Sonderausgabe) mit einem Foto aus dem Film "Fanfan der Husar" mit Gérard Philipe 1952

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01-07-2016

Fanfan la Tulipe, charmantes Urbild des französischen Draufgängers

Wie sich die Figur über Jahrhunderte fortsetzt und in einem Roman von Benjamin Rochefort behauptet

Von Christel Heybrock

Das Leben ist voller Zufälle. Da hat man dereinst als Teenie 1952 einen Film mit dem unvergesslichen Gérard Philipe gesehen – „Fanfan der Husar“. Nach Jahrzehnten steht man in einem Kaufhaus vorm Bücherwühltisch und blickt zufällig auf ein handliches grünes Buch mit dem Titel „Fanfan der Husar“ von Benjamin Rochefort. Der Roman vor dem Film? Bildungslücke, muss man endlich schließen, wann, wenn nicht jetzt!

Zuhause schlingt man die 450 Seiten in zwei Tagen runter: lange nicht mehr so süffige, witzige, kultivierte Unterhaltung gelesen, so lebendige, pralle Szenen aus der längst versunkenen Zeit des „ancien régime“, aus Frankreichs goldenem 18. Jahrhundert. Ein Abenteuerroman, bei dem es zwar den Helden von einer Katastrophe in die andere verschlägt (wobei die Katastrophen nicht zufällig oft weiblich sind), aber bei dem die Handlung durchaus nicht nur in linearem Vorwärtspreschen besteht, sondern geschickt und fein gewebt, geknüpft und verknotet wurde. Der Held Fanfan wird durchs Leben gewirbelt zwischen Hochadel und niederem Bürgertum, er lernt die Armee und England von innen kennen und bricht schließlich als blinder Passagier nach Amerika auf, wo eine neue Menschheitsepoche begonnen hat, wo sich aber vor allem die geliebte Letizia irgendwo aufhält, verheiratet zwar nach den Wirren unfreiwilliger Trennung, aber wäre denn ein Wiedersehen völlig ausgeschlossen?

Rochefort verbindet in „Fanfan der Husar“ (Originaltitel „Les mille et une folies de Fanfan la tulipe“ – Die 1001 Verrücktheiten des Fanfan von der Tulpe) das fantastische, hitzige Dahinjagen aus Flucht und Verstrickungen mit präzisen historischen Tatsachen, und die Neugier wächst, endlich etwas über diesen Autor zu erfahren. Wer war Benjamin Rochefort? Ja – wer? Die Versuche, das herauszufinden, nahmen seinerzeit (es war 2007) erheblich mehr Zeit in Anspruch als die Lektüre des Romans, und im Gegensatz zum Gewinn des Lesens blieben sie gänzlich erfolglos. Keine Bibliothek, kein Lexikon, nicht Google, Wikipedia oder irgendeine andere Institution führten auf eine Spur, mehrere Anfragen an den französischen Verlag blieben unbeantwortet. Vielleicht wusste es ja ein Besucher der „Fanfan“-Rezension im Internet?

Nach neun Jahren hat sich auf den damals ausgestoßenen Hilferuf die Übersetzerin Csilla Ladányi aus Budapest gemeldet: Sie entdeckte Benjamin Rochefort auf einer französischen Wikipedia-Seite über den Romancier, Dramatiker und Drehbuchautor José-André Lacour (1919-2005). Der rätselhafte Benjamin Rochefort entpuppt sich dort als eines von nicht weniger als acht Pseudonymen von Lacour: Unter dem Pseudonym Benoit Becker listet Wikipedia sechs Romane auf, unglaubliche 57 (!) unter dem Pseudonym Marc Avril, 47 unter dem Namen Christopher Stork, hinzu kommen Drehbücher, Adaptionen usw. Unter „Benjamin Rochefort“ ist bei Wikipedia kein Hinweis auf den "Fanfan"-Roman zu finden, im Online-Katalog der Bibliothèque Nationale de France nur der Titel "Fanfan et la Du Barry" 1979 -  dabei handelt es sich um den ersten Teil der Romantrilogie "Les mille et une folies de Fanfan la tulipe", der französischen Originalausgabe "unseres" Fanfan-Romans. Lacour alias Rochefort hatte an dem Film mit Gérard Philipe keinen Anteil, aber angesichts des exzentrischen Schreibdrangs unseres Autors fragt man sich, ob ein einzelner Mensch überhaupt ein solches Pensum schaffen kann? Verbergen sich hinter den acht Pseudonymen sowie hinter José-André Lacour vielleicht noch mehr Rätsel?

Kann sein, mit Sicherheit aber ist hinter der Figur des Fanfan la Tulipe noch eine Menge zu entdecken. Den hat Lacour nämlich nicht erfunden, und hier kam wieder ein Hinweis von Csilla Ladányi, in deren Blog sich ein Besucher meldete, es gäbe da doch ein Lied aus dem frühen 19. Jahrhundert… Dieses Lied, das nach einer älteren Melodie gesungen wird, stammt von Émile Debraux (1796-1831) und gilt weithin als Ursprung der Fanfan-Figur – aber das stimmt nicht, die Sache reicht weiter zurück und lässt sich vielleicht nicht mehr völlig aufklären.

Die Ursprünge von Fanfan in Krieg und Literatur

Das Online-„Dictionnaire des citations“ vermerkt knapp, die „Tulpe“ sei im „ancien régime“ als Beiname von feschen Soldaten verwendet worden, und ein fescher Herzensbrecher ist Fanfan la Tulipe ja nun wirklich. Aber wie es ausgerechnet zur Tulpe kam? Heute ist die Tulpe Symbol für alles Mögliche, je nach der Farbe bescheinigt sie dem Beschenkten Fantasie und Empfindsamkeit oder deutet leidenschaftliche Wünsche an. Im 17. Jahrhundert wurde die Tulpe zum abenteuerlichen Spekulationsobjekt, eine einzige Zwiebel soll zeitweise so teuer gewesen sein wie „vier fette Ochsen“, bis 1637 der Markt zusammenbrach und viele Spekulanten in den Ruin stürzte. Hat die Tulpe in den folgenden Epochen daher auch den Ruf von eher windiger Schönheit? In der osmanischen Türkei scheint die europäische Sicht nicht gestört zu haben, noch zwischen 1718 und 1730 gab es am Hof eine Tulpenära mit ehrgeizigem Zuchtprogramm, und die Tulpe galt als Symbol des Adels, höfischer Privilegien und Liebeskraft. Allein der Name lässt sich auf das Türkische „tülbend lâle“ (Turbanblume) zurückführen, Turban, weil der Kelch ähnlich wie ein Turban geformt ist.

Tulpen haben also von allem ein bisschen – von Glanz und Liebe so viel wie von Täuschung, ja auch manchmal Tod. Als literarische Initialzündung von Fanfan la Tulipe gilt demzufolge ein Gedicht, das sich in einer Publikation von 1761 findet, in der Ausgabe „Poésies de Mr. L’Abbé Mangenot“. Es ist ebenso drollig wie bezaubernd:

Malgré la bataille
Qu’on donne demain,
Ça faisons ripaille,
Charmante Catin:
Sans lire au Grimoire
Du sombre avenir,
Attendant la gloire,
Prenons du plaisir.

Narguant tes Compagnes,
Méprisant leurs voeux,
J’ai fait trois campagnes
Rôti de tes feux.
Méritant la pomme,
Tu reçus ma foi;
Et jamais rogomme
Ne fut bu sans toi.

Si la Hallebarde
Je puis mériter,
Près du Corps-de-garde
Je te fais planter;
La boucle à l’oreille,
Le chignon cardé,
La fine dentelle,
Le soulier brodé.

Tiens, serre ma pipe,
Aussi mon briquet;
Car si la Tulipe
Fait le noir trajet,
Je veux que toi seule
Dans le Régiment,
Ait le brûle-gueule
De son cher Amant.

Rencogne tes larmes
Charmante Catin,
Au nom de tes charmes
Avale ton vin.
Mais déja des Bandes
J’entends les tambours;
Honneur, tu commandes:
Adieu, mes amours.

Am Vorabend der Schlacht (war es wirklich – wie immer wieder vermutet - die Schlacht von Fontenoy, in der sich 1745 im Zusammenhang mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg die siegreichen Franzosen gegen eine Allianz aus Briten, Hannoveranern, Österreichern und Holländern durchsetzten?) am Vorabend der Schlacht also fordert der tapfere Soldat die „charmante Catin“ noch mal zum Vergnügen auf. Während sie den „Apfel“ verdient, (den einst Paris der Venus reichte), erhält sie als Gegenleistung seine Treue: Und nie soll ein Schnaps ohne Catin getrunken sein! Bevor es in der letzten Strophe heißt „Adieu, mes amours“, überreicht der Tapfere, der bereits die Trommeln (und natürlich den Ruf der Ehre) hört, der Liebsten seine Pfeife und sein Feuerzeug, „denn wenn die Tulpe die schwarze Reise antritt, will ich, dass nur du allein“ den Mundverbrenner ( „brûle-gueule“ = Stummelpfeife) deines Geliebten besitzt.


Die Schlacht von Fontenoy 1745 - der Urmythos von Fanfan la Tulipe? Das Ölbild von Horace Vernet (1789-1863), das die Siegesszene der französischen Armee zeigt, enstand allerdings erst 1828 und ist eines von 33 monumentalen Gemälden in der ruhmreichen Schlachtengalerie auf Schloss Versailles. Maße des dramatischen Historiengemäldes: 5,10 x 9,58 Meter! Foto: Wikimedia Commons

Das Fanfan-Gedicht "Malgré la bataille..." findet sich bei Google Books in der erwähnten Werkausgabe des Abbé Mangenot auf Seite 177-179. Blättert man dort allerdings etwas zurück bis zu Seite 172, entdeckt man überrascht einen Dialog zwischen Fanfan und seiner Liebsten. Da geht es um die Rückkehr des tapferen Helden nach zwanzig Jahren, und die einst charmante Catin wird nun etwas schwerfällig mit „Cataud“ angesprochen: „Cataud, dein lieber Tulipe ist wieder da, warum sagst du nichts? Was hast du mit meiner Pfeife gemacht?“ Worauf die Herzensdame erwidert: „Die hab ich verjubelt, aber du hast ja noch etwas anderes bei mir hinterlassen…“ Fanfan: „Das war ich doch nicht!“ Der Dialog endet damit, dass Fanfan das Weite sucht und der Autor vor Versuchungen warnt.

Der Dialog und das Gedicht sind, wie erwähnt, Teil der Oeuvre-Publikation des Abbé Mangenot, aber offenbar ist das nicht ganz korrekt. Zunächst einmal: Louis Mangenot (1694-1768) war der Neffe des populären Schauspielers Palaprat und eine Pariser Szene-Berühmtheit dank seiner leichtfüßigen Gedichte, journalistischen Tätigkeit und seines Lebenswandels. Mit Gütern nicht allzu reich gesegnet, war er in den Templer- Orden eingetreten, um finanziell versorgt zu sein, aber wie weit sein frommes Engagement dort ging, gab er zum Entsetzen seiner bigotten Schwester auf einer Grabinschrift zu Lebzeiten kund – die unbekümmerte Respektlosigkeit sollte Lesern des 21. Jahrhunderts nicht vorenthalten bleiben:

Sous ce marbre gȋt enterré
Un Prébendier sexagénaire
Qui ne lut jamais son Bréviaire
Et qui ne connut son Curé
Qu’en relisant son baptistaire

Also auf gut Deutsch:


Unterm Marmor ruhet hier
Ein Ordensmann von 60 Jahr‘.
Ganz unstudiert blieb sein Brevier,
und seinen Pfarrer kannt‘ er gar
nur durch den Blick ins Taufpapier

- wobei der Begriff „Prébendier“ in der zweiten Zeile mit „Ordensmann“ höchst ungenau übersetzt ist, denn überdeutlich gemeint ist hier der Nutznießer von Pfründen.

Bevor Louis Mangenot am 9. Oktober 1768 starb, hatte er ein weiteres Epitaph verfasst, auf dem er ohne Furcht sein Lebensende kommen sah und sich fragte, ob Tränen und Vergessen seiner „lieben Sylvia“ die Folgen wären? (…Que nécessairement sa mort seroit suivie/ Des pleurs & de l‘oubli de sa chere Sylvie?). So wenig genau der Abbé es mit seinen klerikalen Pflichten nahm, so nachlässig war er offenbar auch als Autor, denn in seiner Werkausgabe gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Fanfan-Gedicht „Malgré la bataille…“, das gelegentlich sogar Voltaire zugeschrieben wurde, gar nicht von ihm, sondern von seinem jüngeren Bruder Christophe Mangenot stammte, dessen Lebensdaten nicht eruiert werden konnten und der um 1758 starb. Auch der desillusionierende Dialog bei Fanfans Rückkehr stammt von Christophe, und sowohl Fanfans Abschied als auch seine Rückkehr inspirierten seinerzeit sogar einen Maler zu zwei kleinen Bildern, die in der jährlichen Pariser „Salon“-Ausstellung gezeigt wurden – der Künstler konnte bisher leider nicht identifiziert werden. Christophes literarischer Ehrgeiz hatte mangels seriöser Bildung offenbar gegen Null tendiert, sein Talent aber nicht, denn es gelangen ihm wohl spontan einige Gelegenheitsgedichte, die recht bekannt wurden. Diese Umstände finden sich ausführlich beschrieben in der Ausgabe L’Année Littéraire“ von 1761, in der ein anonymer Autor (ein gewisser Fautrier laut dem „Dictionnaire des Journalistes“) dem Herausgeber Elie Catherine Fréron einen Briefbeitrag schreibt und sich auf die jahrelange Freundschaft mit der Familie Mangenot beruft. Es gibt keinen Anlass, an diesen Ausführungen zu zweifeln.

Fanfan in Musik und Theater

Nach diesem Einstand von Fanfan la Tulipe in die Literaturgeschichte dringt Jahrzehnte lang nichts mehr von ihm ans Licht einer dauerhaften Öffentlichkeit, bis endlich 1819 der oben erwähnte Liederschreiber Paul Ėmile Debraux (1796-1831) seinen Hit landet und mit dem Refrain „En avant,/ Fanfan la Tulipe,/ Oui, mill‘ noms d‘un‘ pipe,/ En avant!“ das Standard-Zitat in die Welt setzt. Debraux‘ Chanson gehört bis heute zum französischen Liedgut, obwohl es in seiner Holperigkeit an die Eleganz von Christophe Mangenot nicht heran reicht. Aber eine andere Fanfan-Spielart wird hier beschworen – die des tapferen, treuen Soldaten, der von seinem Raben(stief-?)vater aus dem Haus geworfen und von der Armut in die Armee getrieben wird. Nach zwanzig Jahren Dienst rekapituliert dieser Fanfan seine Existenz und ruft voll Nationalstolz: „J‘suis français!“

Mit Debraux setzt im 19. Jahrhundert die weitere Ausarbeitung des Fanfan-Themas ein, aber den unerschrockenen Charmeur, zu dem er dann wird, darf man nicht verwechseln mit entsprechenden Kinderbüchern! Das Wort „Fanfan“ ist zunächst einmal die Verdoppelung der Endsilbe von „enfant“ (Kind) und insofern ein kindlicher Kosename. Der Romancier und Liederschreiber François Guillaume Ducray-Duminil (1761-1819) publizierte bereits 1787 den vierbändigen Kinderroman „Fanfan et Lolotte ou Histoire de deux enfants abandonnés dans une île déserte“, wo Fanfan und Lottchen die Abenteuer auf einer einsamen Insel überstehen müssen, bevor sie ins die Zivilisation gerettet werden. Ausgesetzte Kinder oder wegen frühkindlicher Entzugssituationen gebrochene Erwachsene treten in den letzten Jahrzehnten des „ancien régime“ und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ungewöhnlich oft in der Literatur auf. Der amerikanische Literaturwissenschaftler Allan H. Pasco untersuchte das Phänomen 1997 in seiner Publikation „Sick Heroes. French Society and Literature in the Romantic Age, 1750-1850“ und kam zu dem Schluss, dass die verbreitete Unsitte, Neugeborene einer Amme zu übergeben, statt sie selbst zu stillen und zu versorgen, psychische Schäden ganzer Generationen verursachte. Das Debakel führte aufgrund des Drucks in der Realität zu vielfältigen literarischen Thematisierungen, die dann ihrerseits auf ein enormes Leser-Interesse stießen – schließlich kämpften breite Leserschichten mit den gleichen Problemen. Die beiden im Alter von nur drei Jahren auf einer westindischen Insel zurückgelassenen Fanfan und Lolotte sind nur die Spitze des Eisbergs, das Phänomen findet sich noch bei Gustave Flauberts „Madame Bovary“ und bei Balzac, aber schließlich auch in „unserem“ „Fanfan“-Roman von Rochefort alias Lacour: Dessen Fanfan wird von seiner in die Spitzen der Gesellschaft aufsteigenden Mama aus dem Haus gegeben und vergessen, ja, er begegnet ihr später in einigen Fällen, ohne zu ahnen, dass die Dubarry, die schöne Mätresse des Königs, seine Mutter ist.

Der Dramatiker Frédéric Dupetit-Méré (1785-1827), populär als „Frédéric“ durch eine Fülle von Melodramen und musikalisch aufgepeppten Bühnenstücken, schaffte es sogar, sich beider Fanfan-Figuren zu bedienen, der Kinderbuchfigur wie der des Soldaten. Am 19. März 1819 hatte seine dreiaktige Pantomime „Lolotte et Fanfan, ou les Flibustiers“ Premiere, ein Stück, das sich, vermutlich in fantasievollen Varianten, auf die Kinderbücher Duminils bezog. Wurde er im selben Jahr dann von der ganz anderen Fanfan-Figur im Schlager von Ėmile Debraux inspiriert? Man muss wohl davon ausgehen, denn nur ein Jahr später kam sein Einakter „Fanfan la Tulipe, ou En avant“, „mêlée de vaudevilles“, auf die Pariser Bühne. Sicherlich handelte es sich geradezu um eine szenische Ausschmückung des Soldatenlebens, wie es Debraux in seinem Fanfan-Lied skizziert hatte. Fanfan der Soldat als Bühnenfigur, das ließ sich nun nicht mehr stoppen.


Was für eine Szene! Was heute großes Kino wäre, war damals Theaterrealität: Schauspielstar Etienne Mélingue prescht in dem Fanfan-Siebenakter von Paul Meurice zu Pferd auf die Bühne und wirft erst mal alle um. Die Darstellung enstand 1858 nach der Uraufführung im Théâtre de l’Ambigu-Comique und befindet sich heute in der Theatersammlung der Bibliothèque Nationale de France. Foto: BNF

Der mit Victor Hugo befreundete Dramatiker und Romancier Paul Meurice (1818-1905) breitete den Stoff gar in sieben Akten auf, sein „Fanfan la Tulipe“ hatte am 6. November 1858 Premiere im Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique. Das Stück spielt im Jahr 1747 (was den Zusammenhang mit der Schlacht von Fontenoy 1745 erahnen lässt) und enthält Figuren, die später zum Standard-Repertoire des Fanfan-Stoffs gehören und auch bei Rochefort/Lacour ausgearbeitet werden, wie etwa Graf Maurepas und Oberst Ramponneau. Die Uraufführung des geradezu episch ausgebreiteten Bühnenwerks, das bis zum Jahrhundertende gespielt wurde, erregte Aufsehen auch durch seine szenischen Attraktionen. So verkörperte der berühmte Étienne Mélingue, als Darsteller wie als bildender Künstler von stupender Begabung, die Titelrolle und preschte in der 5. Szene hoch zu Ross herbei, indem er Oberst Ramponneau zu Boden warf. Mélingue war der strahlende Held seiner Zeit, er verkörperte die Hauptrollen in den Alexandre-Dumas-Stücken und hinterließ das Publikum in ungläubigem Staunen, als er 1852 in „Benvenuto Cellini“, einer Bühnenbearbeitung des Dumas-Romans „Ascanio“ durch Paul Meurice, auf offener Szene eine Skulptur schuf, als sei Cellini persönlich auferstanden.

Das opulente Bühnenwerk war so populär, dass der Journalist Edmond Lepelletier (1846-1913) auch noch einen Zeitungsroman als Kurzfassung daraus erarbeitete – der Roman „Fanfan-la-Tulipe“ erschien 1896 im „Écho de Paris“ als Fortsetzung.

Während das „Fanfan“-Bühnenstück von Meurice Jahrzehnte lang mit wechselnden Darstellern gespielt wurde, setzte der in New Orleans geborene Komponist Louis Varney (1844-1908) noch eins drauf und machte eine Operette daraus („Fanfan la tulipe“), die 1882 nach einem Libretto von Paul Ferrier und Jules Prével ans Licht der Bühne kam. Varney, Sohn des französischen Dirigenten Alphonse Varney und Schöpfer von rund 40 schmissig-historisierenden Werken, ist mit seinem erfolgreichsten Werk „Les mousquetaires au couvent“ (die Musketiere im Kloster) bis heute in Frankreich präsent. Für das 1905 uraufgeführte Feenspiel „L’âge d’or“ (das Goldene Zeitalter), verfasste kein Geringerer als Spaßvogel Georges Feydeau den Text.

In Varnays Fanfan-Operette sind die weiblichen Figuren eindeutig in der Überzahl – Fanfan als Hahn im Korb. Die Titelpartie sang der Bariton Max Bouvet (1854-1943), dessen Können sich später auch im dramatischen Fach zeigte: 1891 sang er in Brüssel den Wotan in Wagners „Siegfried“. Er gab ferner den Kapitän im „Fliegenden Holländer“, den Escamillo in Bizets „Carmen“ und den Marcel in Puccinis „Bohème“. Die erste von nicht weniger als sieben Damenpartien in Varneys Operette war Pimprenelle, bezaubernd und hoch talentiert gegeben von der 23-jährigen Juliette Simon-Girard (1859-1954). Ihr Mann, der Buffo-Tenor Simon-Max (eigentlich Nicolas-Marie Simon, 1852-1923) sang in der Erstaufführung den Michel. Juliette und Simon-Max hatten sich 1877 bei den Proben zur komischen Oper „Les Cloches de Corneville“ kennengelernt und im selben Jahr geheiratet. Die blutjunge, damals eben 18-jährige Sopranistin hatte wenige Wochen zuvor in einer Offenbach-Operette debütiert und wurde als Serpolette in den „Glocken von Corneville“ schlagartig bekannt. Mit 19 gab sie die Titelpartie in Jacques Offenbachs „Madame Favart“, und Offenbach schien auch später ihr Lieblingskomponist zu bleiben – ihren seinerzeit viel bekannteren Ehemann Simon-Max überflügelte sie in einer mehr als dreißigjährigen Karriere, die auch Sprechrollen sowie 1903 Tonaufnahmen mit Offenbach-Arien einschloss. Damals war sie bereits mit ihrem zweiten Ehemann, dem Schauspieler Félix Huguenet, verheiratet.

Fanfan und der Film

Die Jahrhundertwende brachte eine neue Kunstgattung ins Leben – den Film. Für Verfilmungen bietet sich der Fanfan-Stoff geradezu an, und die fünf bisher dokumentierten Streifen bleiben sicher nicht die einzigen. Erstmals flimmerte Fanfan 1907 über die Leinwand, noch unvollkommen im Stummformat und als Kurzfilm der 1895 gegründeten französischen Gaumont Filmgesellschaft, die bis heute besteht. Die Kurzfilmproduktion von Gaumont vor dem Ersten Weltkrieg war überwältigend, Gründer Léon Gaumont (1864-1964) stellte sich zudem als wagemutiger technischer Pionier heraus, der eine Doppelapparatur auf den Markt gebracht hatte – die Filmkamera ließ sich auch als Projektor benutzen. Mit dem 1902 entwickelten Chronophon konnte Gaumont Filmbilder mit Tonaufnahmen kombinieren, seit 1908 produzierte das ständig expandierende Unternehmen kurze Sprech- und Musikstreifen, brachte eine Wochenschau sowie einen Zeichentrickfilm heraus.

Schon vor der Jahrhundertwende hatte der ehrgeizige Firmengründer eingesehen, dass man einem Publikum nicht einfach nur Bewegungen vorsetzen durfte, sondern Geschichten erzählen musste, und zwar gekonnt. Seine Sekretärin Alice Guy (1873-1968), die 1895 einen Film der Brüder Lumière gesehen hatte, konnte Gaumont zur Produktion von eigenen, inszenierten Streifen überreden, und der überließ ihr gerne die szenische Regie, nachdem sie 1896 mit dem Streifen „La Fée aux choux“ (die Kohlfee) gezeigt hatte, was in ihr steckte: Alice Guy wurde so zur ersten Filmregisseurin der Welt. Ein gutes Jahrzehnt, von 1896 bis 1907, leitete sie die Produktion der Gaumont-Spielfilme, 1906 hatte sie mit „La Vie du Christ“ (das Leben Christi) sogar einen langen Streifen mit mehr als 300 Statisten gedreht. Nicht genug damit – im selben Jahr schuf sie mit „La Fée Printemps“ (die Frühlingsfee) einen der ersten Farbfilme. Dass sie sich 1907 (mit unbekannten Darstellern) des attraktiven Fanfan-Themas annahm („Fanfan la Tulipe“), gehörte einfach zu ihrer Faszination an spannenden, mit viel Action verbundenen Themen. Schließlich hatte sie bereits 1905 mit „La Esmeralda“ die Kamera auf Victor Hugos “Glöckner von Nôtre-Dame“ gerichtet. Im selben Jahr, in dem sie außer „Fanfan“ rund 100 weitere Titel drehte, fand Alice Guy auch noch Zeit, den Kameramann Herbert Blaché (1882-1953) zu heiraten, mit dem sie im Auftrag von Gaumont nach USA ging – Blaché sollte dort die amerikanische Tochterfirma übernehmen, und Alice übergab die Spielfilmregie in Frankreich an Louis Feuillade (1873-1925), der bereits Drehbücher für Gaumont geschrieben hatte. Dass das junge Ehepaar 1910 eine eigene Produktionsfirma in USA gründete (die Solax) und nach anfänglichen Erfolgen grandios scheiterte, steht auf einem anderen Blatt. Alice ließ sich 1922 scheiden und ging zunächst nach Frankreich zurück, wo sie nur noch unterrichtete sowie Drehbücher und schließlich ihre Memoiren schrieb (1952). 1964 zog sie zu ihrer Tochter erneut nach USA, sie starb 1968 in einem Pflegeheim.


Poster zum Fanfan-Film von 1925: In der Titelrolle hat Aimé Simon-Girard neckisch die Tulpe im Mund. Das Foto wurde der Internet Movie Database entnommen (IMDB)

Das Fanfan-Thema aber blieb dem Film erhalten. Die Internet Movie Database (IMBD) listet einen SW-Kurzfilm der Lux Compagnie Cinématographique aus dem Jahr 1909 auf, zu dem sich allerdings keine weiteren Angaben finden. Der Streifen ist auch nicht im Archiv der Cinématèque Française dokumentiert. Dafür taucht der unsterbliche Herzensbrecher Fanfan 1925 mit desto genaueren Details wieder auf („Fanfan la Tulipe“). Das Drehbuch hatte der Journalist und Romancier Pierre-Gilles Véber (1896-1968) geschrieben, wobei er sich auf seinen Roman „Fanfan-la-Tulipe, premier cavalier de France“ stützen konnte, der erst im Jahr darauf erschien. Unter der Regie von René Leprince (1876-1929) verkörperte die gerade mal 19-jährige Simone Vaudry (1906-1993) die weibliche Hauptrolle Perrette und Aimé Simon-Girard (1889-1950) den nicht mehr ganz jugendlichen Titelhelden, immerhin war er mit 36 Jahren eine Generation älter als seine Partnerin. Aber was für eine Familien-Kontinuität – Aimé war der Sohn der hübschen Operettensängerin Juliette Simon-Girard, die 1882 die Pimprenelle in Louis Varneys „Fanfan“ gesungen hatte! Auch Aimé war ein Doppeltalent als Sänger und Darsteller, den großen Durchbruch hatte er bereits 1921 als D’Artagnan in der Dumas-Verfilmung „Die drei Musketiere“ erlebt. Diese Paraderolle behielt er bei in einem Remake 1933 – beide Verfilmungen wurden von Henri Diamant-Berger (1895-1972) inszeniert. Die Karriere von Aimé Simon-Girard erstreckt sich bis in die frühe Nachkriegszeit: 1948 war er König Franz I. in „François I ou Les Amours de la belle Ferronnière“ – Regie hatte der junge Christian-Jaque (1904-1994), und zur Besetzung gehörte unter anderem Fernandel.

Der bisher schönste und mitreißendste Fanfan-Film stammt ebenfalls von Christian-Jaque: „Fanfan la Tulipe“, Hier wird das Motiv der Tulpe neu konnotiert, indem Fanfan die bedrängte Madame de Pompadour aus der Gewalt von Räubern rettet und von ihr eine Tulpen-Brosche geschenkt bekommt. 1952 in den Kinos erschienen, bleibt der Film unvergesslich dank der Sensibilität von Gérard Philipe (1922-1959) in der Titelrolle und der leckeren Präsenz von Gina Lollobrigida als Adeline. Beide gehörten zu den ganz großen Stars ihrer Zeit, beide verfügten über darstellerische Vitalität und zugleich nuancenreiches Spiel. Philipe, im Alter von nur 37 Jahren an Leberkrebs gestorben, hatte dazu eine enorme Bandbreite zwischen klassischen Charakterrollen und amüsanter Leichtigkeit. Mantel- und Degenrollen wie der Fanfan lagen ihm ebenso wie schwierige Charaktere bei Giraudoux, Albert Camus und Shakespeare, zu seinen großen Rollen zählte Fürst Myschkin in der Verfilmung von Dostojewskis „Idiot“ 1946.

Der bisher letzte Fanfan-la-Tulipe-Film von 2003 (Regie Gérard Krawczyk) mit Penélope Cruz kann mit seiner etwas bemühten Action und seiner konventionellen Auffassung historischer Abenteuergeschichten nicht mithalten mit den vorhergehenden Streifen, er ist zudem ein blankes Remake des Fanfan von 1952 ohne eigene Neuinterpretation. Es gibt aber einen weiteren „Fanfan“-Film, der 1993 in die Kinos kam – Fanfan ist dabei der Name der weiblichen Hauptperson, die eigentlich Françoise heißt. Sophie Marceau in dieser Rolle stellt den Typ der verwirrend unabhängigen Frau dar, die einem schüchternen jungen Mann gefährlich werden kann. Der französische Autor Alexandre Jardin hatte seinen 1990 erschienenen dreiteiligen Roman „Fanfan“ über die Liebesnöte eines Mannes selbst inszeniert – dabei kehrt das Phänomen aus der Literaturgeschichte zurück, dass nicht alles Fanfan la Tulipe ist, was Fanfan heißt. Der Schweizer Schauspieler Vincent Peréz, der in Krawczyks „Fanfan“ die Titelrolle spielt, gibt den ewig zögernden Liebhaber Alexandre in der Jardin-Verfilmung – kuriose Verklammerung zweier Fanfan-Themen in einer Person.

Endlich: Fanfan la Tulipe im Roman von Benjamin Rochefort

Aber zurück zum Ausgang, zu dem Roman „Les mille et une folies de Fanfan la Tulipe“ von Benjamin Rochefort, der eigentlich José-André Lacour heißt. Die Sache mit der Tulpe und jener knackigen Wahrsagerin Adeline aus Christian-Jacques Verfilmung von 1952 kommt in diesem Roman gar nicht vor. Das Buch beginnt mit einer Affäre, die die blutjunge Klosterschülerin Jeanne Bécu mit keinem Geringeren als dem Herzog Louis von Orléans verbindet... ach, ist das ein Einstieg! Allein diese Episode, die Gott sei Dank nicht weniger als 64 Seiten umfasst, verputzt man als literarischen Leckerbissen. Nicht nur, dass man das Geschehen in filmisch prägnanten Bildern serviert bekommt und sich beinahe persönlich zwischen der etwas suspekten Familie der jungen Jeanne (deren einst schöne Mutter mit drei Männern lebt) und dem etwas trotteligen, liebesbedürftigen Herzog hin und her bewegt – nein, es schwingt auch stets eine Menschenkenntnis mit, die die Figuren von innen her plausibel macht, dem Leser intim nahe bringt und zugleich in witziger Ironie auf Distanz hält. Mit Rochefort/Lacour ist ein unverkrampfter, souveräner Seelenkenner am Werk, na ja, höchstens was die Ausmalung sexueller Eskapaden betrifft, überdreht er manchmal ein bisschen und wirft mit der Wurst nach der Speckseite.

Jeannes Affäre mit dem Herzog endet mit einem Desaster: Herzog Louis verstößt die mittlerweile mit Fanfan Schwangere, als er sie eines Nachts in höchst unzüchtigen Handlungen mit einem Mönch findet, den aber Jeanne für den Herzog gehalten hat, weil der Unverschämte sich ihr von hinten genähert hat ... egal, es ist aus und Jeanne am Boden zerstört. Szenenwechsel: Fanfan wächst bei einer Pflegemutter auf ohne die geringste Kenntnis seiner Herkunft und ist ein richtiger Lausbub in den Straßen der Pariser Vorstadt Saint-Denis. Als seine mollige Ersatzmutter Félicité allzu großes Unglück mit drei Ehemännern hat, von denen der eine im Suff stirbt und der andere sich als gewalttätiger Brutalo entpuppt, verlässt Fanfan das Haus und zieht zu einer Dame mit kleiner Tochter, Eléonore Collignon und Fanchette. Fanfan ist erst elf, als er in Fanchettes Schlafgemach landet – und die beiden prompt von Mutter Eléonore erwischt werden. Und da Fanfan auch noch Probleme mit Leuten von der Straße hat, die ihm ans Leder wollen, flieht er aus Paris, eine wütende Fanchette zurücklassend, die von ihrer Mutter ins Kloster gesteckt wird. Fanfans Leben ist von da an eine einzige Flucht, unterbrochen durch Situationen, die immer zunächst ein Bleiben versprechen.

Er landet in einem Gefängnis in der Normandie. Er trifft Fanchette wieder, die verheiratet ist, sich aber an ihm rächt für ihre Zeit im Kloster und Fanfan mittels einer Intrige in die Armee bugsiert. In der Armee gerät er an den sadistischen Oberst Ramponeau, den er bereits aus seiner Zeit in Saint-Denis in unschöner Erinnerung hat. Im Jahr 1773 (Fanfan ist 14) findet er sich auf Korsika wieder, wo er der Familie Bonaparte und dem 5-jährigen Napoleon begegnet, der zum Opfer einer Entführung wird. Als Oberst Ramponeau ein korsisches Dorf angreifen und zwei wehrlose Frauen massakrieren lässt, desertiert Fanfan und versteckt sich am Meeresufer. Autor Lacour war wohl ein Erotomane, aber ganz gewiss kein Mann militärischer Gesinnung. Wie er den Oberst als im Innersten feige entlarvt und seinen menschenverachtenden Umgang mit Soldaten und Zivilbevölkerung als Ersatzhandlung gegen die eigene Angst beschreibt – das ist ebenso schlüssig wie entschieden.

In seinem Versteck findet Fanfan die Frau seines Lebens, die junge Korsin Letizia. Das Glück dauert nicht lange, sie werden entdeckt und Letizia per Schiff nach England entführt. Fanfan wird sie nun überall suchen, unsägliche Abenteuer in England, dann wieder in Frankreich bestehen und zum Schluss nach Amerika aufbrechen. Lacour verknüpft all diese Episoden mit feinem Garn, lässt Personen wieder auftreten, die die Handlung scheinbar längst hinter sich gelassen hat und verbindet ganze Epochen miteinander (so lebt Fanfan, bevor er auf dem Schiff von General Lafayette die Alte Welt verlässt, in London einige Zeit bei der herunter gekommenen Aurore Picard, einstiger Maitresse des Herzogs Philippe d’Orléans (Regent von Frankreich nach dem Tod Ludwigs XIV.). Anrührend aber sind Kontakte, die die Personen nur in Gedanken oder gar unwissentlich verbinden. In Saint-Denis begegnet Fanfan einmal seiner Mutter, ohne es zu wissen: Aus Jeanne ist inzwischen Gräfin Dubarry, Maitresse Ludwigs XV., geworden, und die feine Dame kommt ihm vor wie eine überirdische Erscheinung. Als Fanfan später London in Richtung Frankreich wieder verlässt und mit dem Schiff die Themsemündung erreicht, fährt Letizia auf einem Verwundetenschiff aus Amerika kommend an ihm vorbei, sie winken sogar einander zu, erkennen sich aber nicht. Es sind Passagen, die einem spannenden Abenteuerroman eine Dimension des Unerreichbaren und Vergeblichen verleihen. Kaum denkbar, dass zukünftige Autoren, die das Fanfan-Thema im 18./19. Jahrhundert ansiedeln, dieses Niveau übertreffen könnten, aber das Ende Fanfans ist auch dieses Buch wohl noch lange nicht.


Unsterbliche Tulpe, unsterblicher Fanfan - diese Gouache auf Pergament entstand 1639 und befindet sich in der Grafiksammlung des Rijksmuseums Amsterdam. Gemalt wurde sie von Jacob Marrel (1613/14-1681), einem Vertreter der Frankenthaler Malerschule. Die Heuschrecke könnte man als Symbol von Fanfans Abenteuerlust verstehen, das Schneckenhaus als Beständigkeitkeit einer Figur, die es damals noch nicht gab, die aber wohl erfunden werden musste. Foto: Wikimedia Commons

Infos:

Benutzt wurde folgende Ausgabe: Benjamin Rochefort, „Fanfan der Husar“, aus dem Französischen von Annette Lallemand, Patmos Verlag/Albatros Verlag, Düsseldorf 2002, 448 Seiten, ISBN 3-491-96074-b. Deutsche Originalausgabe Scherz Verlag, München. Der Roman ist im deutschen Buchhandel zurzeit vergriffen.

„Kunst und Kosmos“ dankt der ungarischen Übersetzerin Csilla Ladányi sehr herzlich für die Auflösung des Benjamin-Rochefort-Pseudonyms. Wer Lust hat herauszufinden, was Csilla außer Portugiesisch, Deutsch und Französisch sonst noch kann, mag sich auf ihrem Blog umsehen, der - leider nur auf Ungarisch - mythologische und erotische Themen zwischen Mittelalter und Neuzeit abhandelt: szexcsatakanno.blog.hu

Fanfans Ursprünge

Dictionnaire des citations zum Begriff „Tulpe“: http://dicocitations.lemonde.fr/definition_littre/29487/Tulipe.php

Wikipédia über José-André Lacour: https://fr.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9-Andr%C3%A9_Lacour

Das Lied von Émile Debraux: https://www.youtube.com/watch?v=1xhZT4k_5qo

Nachruf Abbé Louis Mangenot (dieser Auszug aus dem Nekrolog zu Beginn der Werkausgabe ist nicht ganz identisch mit dem Text im „Nécrologe des Hommes célèbres“): https://books.google.de/books?id=vJ1ZAAAAcAAJ&pg=PA180&lpg=PA180&dq=Poesies+de+Louis+Mangenot&source=bl&ots=yce7VTvOjJ&sig=Qeb_3GX4aB8SVawzmvQwt3sQVCE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjo8_zg97jNAhVEVywKHSoZAR4Q6AEIHjAA#v=onepage&q=Poesies%20de%20Louis%20Mangenot&f=false

Werkausgabe des Abbé Mangenot bei Google Books: https://books.google.de/books?id=vJ1ZAAAAcAAJ&pg=PA197&lpg=PA197&dq=louis+mangenot&source=bl&ots=ycdaV-sMfO&sig=DmRyKL0ZYj4ElX9pMXSHqAndS5M&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjdirXZuO_LAhWCCywKHUfpArA4ChDoAQghMAA#v=onepage&q=louis%20mangenot&f=false

Über Louis (Abbé) und Christophe Mangenot im Dictionnaire des journalistes: http://dictionnaire-journalistes.gazettes18e.fr/journaliste/543-louis-mangenot

Vita von Louis Mangenot im „Nécrologe des Hommes célebres“ 1769, S. 69-94: https://books.google.de/books?id=GZq5ocVl5qQC&pg=PA171&dq=N%C3%A9crologe+des+Hommes+c%C3%A9lebres+1769&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj3lP7whrbNAhXpIpoKHWHhChUQ6AEIHDAA#v=onepage&q=N%C3%A9crologe%20des%20Hommes%20c%C3%A9lebres%201769&f=false

Brief an E.C. Fréron bezügl. Christophe Mangenot in „L’Année Littéraire“ 1761, Tome I, S. 128-132: https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=mdp.39015009238299;view=1up;seq=132

Fanfan in Musik und Theater

Über Kinderbuch-Autor Ducray-Duminil („Fanfan et Lolotte“): https://fr.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Guillaume_Ducray-Duminil

Der Abenteuerroman „Fanfan et Lolotte ou Histoire de deux enfants abandonnés dans une île déserte“ war seinerzeit weit verbreitet und wurde in mehrere Sprachen übersetzt (Deutsch: "Lalotte und Fanfan oder die Begebenheiten zweyer auf eine Wüste Insel ausgesetzten Kinder"). Exemplare sind heute antiquarisch extrem selten und entsprechend teuer (Angebot kürzlich 150 Euro). Gewarnt werden muss vor einer Ausgabe als Book on Demand (24 Euro). Aus den mehr als 500 Seiten der Originalausgabe erscheint dort nur ein Bruchteil, der ohne Zusammenhang mitten aus dem Text herausgerissen wurde.

Allan Pasco „Sick Heroes. French Society and Literature in the Romantic Age, 1750-1850“: http://press.uchicago.edu/ucp/books/book/distributed/S/bo5985948.html

Dramatiker Frédéric Dupetit-Méré: https://fr.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A9d%C3%A9ric_Dupetit-M%C3%A9r%C3%A9

Dramatiker Paul Meurice: https://fr.wikipedia.org/wiki/Paul_Meurice

Kurzfassung des Theaterstücks von Meurice als Zeitungsroman von Edmond Lepelletier 1896: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k801122n/f1.item.zoom

Das siebenaktige Bühnenstück „Fanfan la Tulipe“ von Meurice ist komplett als Google Book abrufbar: https://archive.org/stream/fanfanlatulipe00meurgoog#page/n10/mode/2up

Schauspieler Etienne Mélingue: https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89tienne_M%C3%A9lingue

Mélingues Vita und Rollen : http://www.des-gens.net/Etienne-Melingue-le-mousquetaire#

Operettenkomponist Louis Varney: https://fr.wikipedia.org/wiki/Louis_Varney

Bariton Max Bouvet als Fanfan: https://fr.wikipedia.org/wiki/Max_Bouvet

Sängerin Juliette Simon-Girard als Pimprenelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Juliette_Simon-Girard

Buffo-Tenor Simon-Max als Michel: https://fr.wikipedia.org/wiki/Simon-Max

Fanfan und der Film

Die Fanfan-Filme in der Movie Database: http://www.imdb.com/find?ref_=nv_sr_fn&q=Fanfan+la+tulipe+1907&s=all

Filmpionier Léon Gaumont: https://fr.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9on_Gaumont

Filmemacherin Alice Guy: http://www.imdb.com/name/nm0349785/bio?ref_=nm_ov_bio_sm

Alice Guy bei Wikipedia: https://fr.wikipedia.org/wiki/Alice_Guy

Pierre-Gilles Véber, Romancier und Drehbuchautor des Fanfan-Films 1925: https://fr.wikipedia.org/wiki/Pierre-Gilles_Veber

Regisseur René Leprince: https://fr.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Leprince

Schauspielerin Simone Vaudry: https://fr.wikipedia.org/wiki/Simone_Vaudry

Fanfan-Darsteller Aimé Simon-Girard: https://fr.wikipedia.org/wiki/Aim%C3%A9_Simon-Girard

Regisseur Christian-Jaque: https://fr.wikipedia.org/wiki/Christian-Jaque  

Fanfan-Darsteller Gérard Philipe: https://fr.wikipedia.org/wiki/G%C3%A9rard_Philipe

Gina Lollobrigida als Adeline: https://de.wikipedia.org/wiki/Gina_Lollobrigida

Fanfan-La-Tulipe 2003: https://de.wikipedia.org/wiki/Fanfan_der_Husar_(2003)       

Gérard Krawczyk: https://fr.wikipedia.org/wiki/G%C3%A9rard_Krawczyk         

Penelope Cruz als Adeline: https://fr.wikipedia.org/wiki/Pen%C3%A9lope_Cruz            

Der “Fanfan”-Roman von Alexandre Jardin: https://fr.wikipedia.org/wiki/Fanfan_(roman)

Alexandre Jardin: https://fr.wikipedia.org/wiki/Alexandre_Jardin      

Jardins „Fanfan“-Film: https://fr.wikipedia.org/wiki/Fanfan_(film)        

Sophie Marceau als Fanfan: https://fr.wikipedia.org/wiki/Sophie_Marceau

Vincent Peréz, der Fanfan bei Krawczyk, der Liebhaber Fanfans bei Jardin: https://fr.wikipedia.org/wiki/Vincent_Perez

 

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