Die Sassaniden, Übersicht über eine persische Dynastie

Dynastiegründer Ardeshir Babakan bei unerlaubten Zärtlichkeiten mit der schönen Golnar, der Favoritin des parthischen Königs Ardavan. Ardeshir nahm dem König nicht nur die Herzensdame, sondern auch den Thron weg und legte mit diesen Untaten den Grundstein zur vierhundertjährigen Herrschaft seines Adelsgeschlechts in Persien. Die Abbildung zeigt ein Detail aus einer kostbaren Miniatur von Mir Mussavvir in Ferdowsis "Shahnameh" (Buch der Könige). Das Liebespaar befindet sich in einem schön ausgestatteten Innenraum. Zwar haben die beiden noch ihre Kopfbedeckungen auf, aber die roten Pantöffelchen stehen säuberlich links und rechts unten am Bett, soviel Zeit war dann doch. Das Blatt ist im Besitz des Metropolitan Museums New York.

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Persepolis

Ausstellung "Persisches Weltreich"

Felsgräber von Naqsh-e-Rostam

Die Achämeniden-Herrscher

19-08-2003

Die Sassaniden-Könige

zusammengestellt von Christel Heybrock

 

Die Dynastie geht zurück auf Sassan, den Großvater von Ardeshir Babakan: 

Sassan, Kleinfürst in Estakhr, verheiratet mit Denak aus der Bazrangi-Familie. Aus der Ehe ging Babak hervor.

Babak (Papak), Sohn von Sassan, verheiratet mit Rotak und in dieser Ehe Vater von Ardeshir sowie von Shapur, der jedoch beim Einsturz eines alten Palastes stirbt.

Ardeshir Babakan, geboren in Tirudeh bei Shir (Gebiet Estakhr). Lässt seine Brüder umbringen und beseitigt auch den arsakidischen (parthischen) König Ardavan. Regierungszeit 223/24-241 n. Chr., Krönung 226/27 in Ktesiphon, das Ardeshir selbst gründet gegenüber von Seleukia in Mesopotamien. Ardeshir organisiert den Staat nach der Zarathustra-Religion, setzt den Obermagier ein und lässt Avestatexte sammeln („Religion und Königtum sind zwei Schwestern... Die Religion ist Fundament der Staatsgewalt, und die Staatsgewalt wiederum ihre Beschützerin.“) Seine Investitur wird auf Felsreliefs in Naqsh-e-Rostam und Firuzabad festgehalten.

Shapur I., 241-272, Sohn von Ardeshir. Besiegt drei römische Kaiser und übt als gebildeter Herrscher selber Toleranz, gewährt aber dem fanatischen Magier Kartir zunehmende Macht. Kartir hat die Heldentaten seiner Verfolgung von Andersgläubigen auf Shapurs Felsrelief in Naqsh-e-Rostam mit verewigt. Auch bei den Shapur-Inschriften auf dem dortigen Feuerturm hat er sich dokumentiert.

Hormuzd I., 272-273, Sohn von Shapur I., ermordet von Kartir?

Bahram I. (Varhran),  273-276/277, Bruder von Hormuzd

Bahram II., 276/277-293, Sohn von Bahram I., grausamer Herrscher, verewigt mit seinem Hofstaat (unter Benutzung eines alten elamischen Reliefs) auf dem Relief Nr. 2 in Naqsh-e-Rostam.

Bahram III.,  293, Sohn von Hormuzd I., regierte 4 Monate, hingerichtet vom Adel

Narses (Nersi, Narseh),  293-301/02, Onkel von Bahram II., macht Schluss mit der Macht von Kartir und führt ein religiös liberales Regime, verliert aber Mesopotamien und Armenien durch eine Niederlage gegen Kaiser Diokletian. Seine Investitur zeigt das letzte Felsrelief (ganz rechts) in Naqsh-e-Rostam.

Hormuzd II., 302-309, Sohn von Narses, auf einem Felsrelief in Naqsh-e-Rostam ist er als Kind zu sehen, auf einem anderen in der Schlacht.

Azarnersi (Asarnarses, Adhar-Narse), erster Sohn von Hormuzd II., brutale Persönlichkeit, regiert kurz im Jahr 309 (ermordet). Sein Bruder Hormuzd, der zweite Sohn des Herrschers Hormuzd II., wird vom Adel 13 Jahre lang eingesperrt.

Shapur II. d. Große, dritter Sohn von Hormuzd II., 309-379, wurde von Magiern im Mutterleib gekrönt, um die Thronfolge zu sichern. Shapur (der „Schulterausrenker“) gilt als großer Christenverfolger. 363 siegt er über Julian Apostata. Armenien und Mesopotamien kommen zurück ins persische Großreich. Einer seiner Siege ist auf dem Felsrelief  Nr. 3 in Naqsh-e-Rostam zu sehen.

Ardeshir II., 379-383, Bruder von Shapur II., vom Adel abgesetzt.

Shapur III.,  383-388, Neffe von Ardeshir II. und Sohn von Shapur II., wird vom Adel ermordet, indem sein Zelt auf ihn stürzt.

Bahram IV., 388-399, Bruder von Shapur III., Teilung Armeniens 389, wird ermordet.

Yasdegerd I., genannt Basakar = Sünder, weil er die Magier verärgerte, regiert 399-420, Sohn von Shapur III. und Neffe von Bahram IV., religiös liberal und christenfreundlich. Unklar, ob er durch einen Jagdunfall starb oder von Magiern ermordet wurde.

 

Miniatur von Mir Sayyed Ali aus dem "Shah Nameh" von Ferdowsi (im Metropolitan Museum New York). Das Blatt zeigt König Bahram V. (Mitte) beim unverschämten, legendären Jagdglück: Er traf nicht nur zielsicher ein Onaga, sondern gleich zwei, die sich eben paarten (am rechten Rand). Das brachte dem König den Beinamen "Wildesel-Bahram" ein.

Bahram V., 420-438, Sohn von Yasdegerd I., Beiname Bahram-e-Gur wegen seines legendären Jagdglücks („Zebra“- oder „Wildesel-Bahram“, gemeint sind asiatische Onaga). Tod durch Jagdunfall? Christenverfolgungen unterm Druck der Magier, in Naqsh-e Rostam nimmt er das Felsrelief Nr. 6 ein.

Yasdegerd II., 438-457, verheiratet mit Denak

Hormuzd III., zweiter Sohn von Yasdegerd II., 457-459. Hormuzd III. tritt vor seinem älteren Bruder Firuz die Macht an, bis dieser sich gegen ihn durchsetzt.

Firuz I. (=Peroz),  erster Sohn von Yasdegerd II., Regierungszeit 459-483, ermordet 484 von eindringenden Hunnen, die auch seinen Sohn Ghobad gefangen nehmen (später Chobad I.). Berühmt wird sein Minister Mihr Narse. Kampf gegen die Hephthaliten (Hunnen). Seine Tochter Peruzdocht (Firuzdocht) wird Frau des Hephthalitenherrschers Achschonwar.

Blash (Balash = Valachsh, Valgash),  483-487/88, Sohn oder Bruder von Firuz, entmachtet vom Adel. Sein Minister Sochra spielt eine bedeutende Rolle.

Kawat (Ghobad, Chobad) I., 488-496 und 499-531, Sohn von Firuz I., heftige soziale Unruhen in der Bevölkerung, für die der Religionsstifter und Neomanichäer Mazdak durch sozialistische Reformen mehr Rechte erringen will. Chobad wird 496 von Adel und zoroastrischen Magiern gefangen gesetzt und in die Festung Schuschtar gebracht (Giligerd in Elam, „Festung des Vergessens“). Nach drei Jahren kann er mit Hilfe seiner Schwester fliehen - ausgerechnet zu den Hephthaliten (Hunnen), die seinen Vater ermordeten und ihn selber Jahre zuvor gefangen hielten. Er heiratet seine hephthalitische Nichte, lässt den Minister Sochra meucheln und schlägt den Aufruhr um Mazdak nieder. Magier krönen ihn in Ktesiphon.

Jamasp (Zamasp, Dshamasp), Bruder von Chobad, regiert in der Zwischenzeit  496-499

Khosrow I., 531-578/79 (Beiname „Anushirvan“), Sohn von Ghobad. Setzt soziale Reformen durch, das Reich erlebt eine kulturelle Blüte. Als Person ist er agil, aber hinterhältig. Noch vor Amtsantritt lässt er Mazdak ermorden und Aufstände niederschlagen.

Hormuzd IV., 579-590, Sohn von Khosrow I. und der türkischen Prinzessin Kakin (daher genannt „Turkzad = Türkensohn). Hormuzd IV. ist zwar sozial engagiert, aber ohne Durchsetzungskraft. Erneut versinkt das Land in sozialen Unruhen, Terror und Unterdrückung. Hormuzd lässt alle seine Brüder ermorden oder blenden, seine fähigsten Wesire töten und den Obermagier vergiften, die Zahl seiner Morde summiert sich auf 13.600 Menschen. Schließlich wird Hormuzd vom Adel (bzw. der Armee unter General Bahram Tschoven) abgesetzt und von Verwandten geblendet. Seine Frau und ein Sohn werden ermordet, später auch Hormuzd IV. selbst. Der Adel setzt seinen Sohn Khosrow auf den Thron. Khosrow regiert zunächst aber nicht, sondern flieht, weil General Bahram ihm die Herrschaft streitig macht (später als Khosrow II.).

General Bahram VI. Tschoven (Tschubineh = der Hölzerne), regiert 590-91, kurz vor Khosrow II., mit dessen Töchtern Purandocht und Azarmidocht er verheiratet (?) war. Sohn von Bahram Guschnasp (Arsakiden), Hormuzds IV. Offizier; war bereits in der Armee von Khosrow I. Anushirvan. Mit Bahram VI. übernimmt erstmals ein Mann von nichtköniglichem Blut die Herrschaft. Die Magier lehnen ihn ab. Nach einer Niederlage gegen Rom und der schmählichen Behandlung des Generals durch Hormuzd IV. setzt die empörte Armee König Hormuzd IV. ab und schlägt dessen Sohn Khosrow vor, der als Herrschaftsrivale von General Bahram jedoch erst mal nach Aserbeidschan (Byzanz?) entweicht.

Khosrow II. Parviz („der Siegreiche“), 591-628, Sohn von Hormuzd IV. und Enkel von Khosrow I. Anushirvan, muss zunächst nach Byzanz fliehen, da sein eigener General Bahram ihm die Herrschaft streitig macht. In Byzanz heiratet Khosrow die Kaisertochter (?) Maria, und mit byzantinischer Hilfe kann er Bahram besiegen und ins Exil nach Khorasan verjagen, wo Khosrows Agenten ihn schließlich ermorden. Danach sichert sich Khosrow den Thron, heiratet Bahrams Schwester sowie dessen Witwe Gurdija und führt eine Hofhaltung von legendärer Pracht in Dastagird. Von Dichtern besungen (u.a. Nezami) auch die Liebesgeschichte mit seiner Lieblingsfrau Shirin, einer armenischen Christin, die den Einfluss der Magier zurückfahren kann. Von Nezami wird auch die tragische Liebesgeschichte des Bildhauers Farhad überliefert, der Shirin anbetete und das Felsrelief in Bisotun schuf, bevor er sich aus Kummer umbrachte. Aus der Ehe Khosrows mit Shirin geht der Sohn Mardanshah hervor. Gegen Ende der Ära greifen byzantinische Truppen das Land an, obwohl der Kronprinz Shiruyeh aus der Ehe zwischen Khosrow und der (inzwischen vernachlässigten) Byzantinerin Maria stammt. Der Hof flieht von Dastagird nach Ktesiphon. Erneute Unruhen im Land. Khosrow wird abgesetzt und ermordet, Shirin tötet sich der Legende zufolge in seiner Grabkammer.

Ghobad II. (Kawat, Kavat), identisch mit Shiruyeh (Shahriyur, Scheroe ?), 628-629, neurotisch gestörter Sohn Khosrows II. und der Byzantinerin Maria. Noch bei der Machtübernahme macht er der hassgeliebten Stiefmutter Shirin einen Heiratsantrag und lässt alle seine 18 Brüder ermorden, um sich allein den Thron zu sichern. Ehe mit der Griechin Anoj/Buri. Nach acht Monaten stirbt er, vermutlich an der Pest (oder vergiftet von Shirin – wann starb Shirin?).

Ardeshir III., 629, Sohn von Shiruyeh, regiert 2 Monate als siebenjähriges Kind, da es nach den Prinzenmorden seines Vaters keine Thronfolger mehr gibt. Ardeshir III. wird schließlich von General Shahrvaraz ermordet – der seinerseits nach 40 Tagen Opfer eines Mordkomplotts wird. Das Reich zerfällt in raschen Regierungswechseln. Bis 632 kommen 12 Herrscher auf den Thron, darunter wegen des Prinzenmangels erstmals auch Töchter von Khosrow II. :

Shahrvaraz, 630, ermordet 9. Juni

Boran, Tochter Khosrows II., regiert 630/31 für 16 Monate, wahrscheinlich ermordet

Azarmidocht, Tochter von Khosrow II., regiert 6 Monate, ermordet?

Shahbezar, Tochter Khosrows II.

Khosrow III., 630 (?), Enkel von Hormuzd IV.

Djavanshir, Sohn von Khosrow II.

Purandocht, Tochter von Khosrow II.

Goshtasbardeh, Bruder von Khosrow III.

Hormuzd V. Peruz II. (Firuz, Großkopf), Urenkel von Khosrow I. Anushirvan, regiert ein paar Tage

Khosrow IV., „Farruchzad Khosrow“, regiert ein halbes Jahr, ermordet?

Yasdegerd III., 632-651, Enkel von Khosrow und Shirin, Sohn einer schwarzen Mutter. General Rostam(Rustam) kämpft heldenhaft gegen die anrückenden muslimischen Araber und verliert. 637 fällt die märchenhafte Königsstadt Ktesiphon und wird von arabischen Horden zerstört. Durch diplomatische Kontakte mit China bietet Yasdegerd schließlich noch 150.000 Mann gegen die Truppen Omars auf (Niederlage 642). Yasdegerd flüchtet sich zuletzt in der Nähe von Naqsh-e-Rostam und Persepolis (Marv?) in eine Mühle (November 651 oder 652) und wird unerkannt wegen seiner kostbaren Gewänder vom Müller ermordet. Der Islam hat endgültig über die Religion Zarathustras gesiegt.

Firuz III., Sohn von Yasdegerd III., regiert ab 651 den Osten des Landes, der unter der Bezeichnung „Po-s“ = Persien nominell Vasallenstaat Chinas wird (661-663). Firuz kommt 673 nach China und wird dort General. Er stirbt 678.

Narse, Sohn von Firuz (chinesisch Ni-ni-sch) „regiert“ unter chinesischer Oberhoheit 678/79 (?) und stirbt 707. Im Westen fliehen viele Menschen vor dem Islam nach Indien, wo heute noch Zarathustra-Anhänger (Parsen) leben.

Literatur:

- Nahal Tajadod: „Das unbekannte Persien. Magier, Ketzer und Christen“, Patmos Verlag, Düsseldorf  2003, 311 Seiten, ISBN 3-491-69102-8, www.patmos.de

- Otakar Klíma: „Ruhm und Untergang des alten Iran“, Brockhaus Leipzig 1988, 231 Seiten, ISBN 3-325-00161-0. Laut Klíma fällt der Neujahrstag bei den Achämeniden auf den 21. März, bei den Sassaniden jedoch in den Juni aufgrund des beweglichen Sonnenjahres (365 Tage ohne Schaltjahr), das von den Ägyptern übernommen worden war.

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